Zeitgenossen

Fin de siècle
Jahrhundertende,Jahrhundertwende:
Das ab Mitte der 80er Jahre von den zeitgenössischen Frauen und Männern gebrauchte Schlagwort "Fin de siècle" hat die beiden Bedeutungen; der Begriff der "Décadence" geht in ihm auf. Das Fin de siècle ist durch und durch eine europäische Bewegung, wie es früher zum Beispiel schon die Romantik war. Die deutschsprachigen Künstlerinnen und Künstler blicken auch auf das Italien D'Anunzios, auf das England Oscar Wildes und Audrey Beardsleys, nach St. Petersburg und in die skandinavischen Länder. Vor allem aber nach Paris, der "Haupstadt des 19.Jahrhunderts"(Walter Benjamin), das als Ausgangspunkt und Magnet des Fin de siècle seine besondere Rolle spielt. Die in LEBENSDATEN zusammengestellte Auswahl von repräsentativen Fin-de-siècle-Künstlern orientiert sich an dem von Wolfgang Asholt und Walter Fähnders herausgegebenen Reclam-Bändchen:
Fin de siècle. Erzählungen, Gedichte, Essays. Stuttgart 1993
Wir erweitern hier indes den Begriff der Zeitgenossenschaft über diesen engeren, literaturhistorisch bestimmten Kreis: Richard Dehmel mag auf seinem Weg ins Schwarze Ferkel dem alten Theodor Fontane über den Weg gelaufen sein, hat im Tiergarten den Jungen Walter Benjamin gesehen - oder begegnete einer vielköpfigen mondänen russischen Familie, unter deren von Kindermädchen betreuten Kleinkindern ein Vladimir Nabokov nach Schmetterlingen schielte. Insbesondere jüngere Künstler, die sich später mit der Jahrhundertwende auseinandersetzten, werden hier nach und nach präsentiert. Zu ihnen gehört Robert Musil, der in seinem großen europäischen Roman "Der Mann ohne Eigenschaften" im 15. Kapitel den gemeinsamen Atem der Jahrhundertwende nachspürt.

Zeitgenossen

Jeder Zeitgenosse und jede Zeitgenossin wird nach dem folgenden Muster - schmerzfrei - zergliedert und präsentiert:
Nach (1.) einer kurzen Biographie erscheinen (2.) originale Texte, oft Auszüge oder Zitate. Falls vorhanden folgen (3.) Dokumente zum Zusammenhang mit Richard Dehmel und der Jahrhundertwende. In dem Teil "Lesarten" werden (4.) Interpretationen, Stellungnahmen und biographische Verfeinerungen gesammelt. Zuletzt werden (5.) "kreative", selbstgeschriebene Texte zusammengestellt, die sich in irgendeiner Weise, sei es historisch oder z.B. satirisch, auf die Texte (Werke) oder die Biographie einer zeitgenössischen Person beziehen oder dort ihren Ausgangspunkt haben. Die unterstrichenen Zeitgenossen sind zumindest in großen Teilen bearbeitet, die übrigen sollen der Orientierung dienen und nach und nach bearbeitet werden.
Andreas-Salomé, Lou
Bab, Julius
Behrens, Peter

Benemann, Maria
Benjamin, Walter
Bierbaum, Otto Julius
Dauthendey, Max
Dehmel, Ida
Dehmel, Paula
Döblin, Alfred
Ernst, Otto (Appelschnut)
Engelke, Gerrit
George, Stefan
Hart, Heinrich u. Julius
Hartleben, Otto Erich
Hauptmann, Gerhart
Hille, Peter
Hofmannsthal, Hugo von
Holz, Arno
Josef Kainz
Kerr, Alfred
Kessler, Harry Graf
Lachmann, Hedwig
Landauer, Gustav
Lasker-Schüler, Else
Liliencron, Detlev von
Lotz, Ernst Wilhelm
Luksch-Maskowskaja, Elena
Mann, Thomas
Mombert, Alfred
Mühsam, Erich
Munch, Edvard
Robert Musil
Nabokov, Vladimir
Nietzsche, Friedrich

(Förster-Nietzsche, Elisabeth)
Przybyszewski, Stanislaw
Reventlow, Franziska Gräfin von
Rilke, Rainer Maria
Scheerbart, Paul
Schlaf, Johannes
Schleich, Carl-Ludwig

Schönberg, Arnold
Strindberg, August
Tügel, Otto Tetjus
Velde, Harry van de
Walser, Robert
Wedekind, Frank
Wille, Bruno
Zweig, Stefan