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Zeitgenossen
Frank Wedekind |
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Zeitgenössisches "literarisches Portrait" von Victor Hadwiger aus: Führer durch die moderne Literatur, herausgegeben von Hanns Heinz Ewers, unter Mitwirkung der Schriftsteller Victor Hadwiger, Erich Mühsam, René Schickele, Walter Bläsing. Berlin 1906. S.175/76 Frank Wedekind, geb. 1864 in Hannover, lebt in München. Wedekind ist der Dichter des Skeptizismus und der Weltverneinung. Die zynische, satirische Tonart seiner Dichtungen hat ihn lange zum Gegenstand heftiger Anfeindungen gemacht; doch hat sich sein starkes Können und sein echt dichterisches Temperament allmählich überall, mit Ausnahme bei Pfaffen und Muckern, Anerkennung erzwungen. In seinen Gedichten, ebenso wie in den Skizzen und Dramen steht das sexuelle und das soziale Moment im Vordergrund. "Die Fürstin Russalka" ist eine der groteskesten Gedichtsammlungen, die die moderne Literatur besitzt. Bald im leichten Bänkelsängerton hergeleierte Liebesballaden, bald soziale Anklagen in Knittelversen und bald wieder tief elegische Selbstbekenntnisse, die durch ihre dick aufgetragene Sentimentalität komisch wirken. Natürlich ist dies Gedichtbuch, aus dem neuerdings eine Auswahl mit neueren Versen zusammen unter dem Titel "Die vier Jahreszeiten" erschien, ein vielbegehrter Greifsack für Überbrettl- und Kabarett=Beflissene. Noch ungleich bedeutender wie als Lyriker steht Wedekind als Dramatiker da. In seiner ersten dramatischen Arbeit "Frühlingserwachen" schildert er mit packender Kraft, durchsetzt von grotesken Streiflichtern ins soziale Leben, die Anfänge des Geschlechtslebens im heranwachsenden Menschen. Hier, wie auch überall später, läßt er die Regeln des dramatischen Aufbaues völlig außer acht. Unvermittelt läßt er Personen auftreten, kümmert sich nicht um Möglichkeiten für die Bühnenaufführung und scheut sich gar nicht davor, auch mal sich selbst in seine Stücke hineinzuverflechten, wie im "Frühlingserwachen" als "der vermummte Herr". Das formell gesammeltste seiner Stücke ist der Einakter "Der Kammerfänger", eine Burleske, in der er in einer Viertelstunde eine Unmenge von Ereignissen sich türmen läßt, bis der Held über die Leiche seiner Verliebten hinweg, aus dem Knäuel der unglaublichsten Verwicklungen heraus, zum Bahnhof stürmt, um nicht gegen seinen Impresario kontraktbrüchig zu werden. Ein sehr tiefes Problem greift Wedekind im "Erdgeist" an. Hier zeigt er das Weib, das vermöge seiner äußeren Reize sich jeden Mann, den es für seine lebenslustigen Launen braucht, untertan macht und skrupellos seinen Weg über Leichen geht. In einer Weiterführung dieses Stückes, in der "Büchse der Pandora", zeigt er die Kehrseite der Medaille. Hier ist das Weib zum Geschäftsobjekt des Mannes geworden, der ihre Reize jedermann verkauft. Ohne Empfindsamkeit führt Wedekind die grauenhaften Bilder der Wirklichkeit dem Leser vor Augen und krönt sein Werk, indem er Lulu, seine Heldin, fast auf offener Bühne von Jack dem Aufschlitzer umbringen läßt. Den Widerstreit des Individualisten mit den Einrichtungen der sozialen Gesellschaft behandelt Wedekind im "Marquis von Keith", in dem er einen Menschenvorführt, der aus dem Bewußtsein seiner Höherwertigkeit skrupellos seine Mitmenschen begaunert, ihn durch Hochstapeleien aller Art seine Ziele beinahe erreichen läßt, bis er schließlich doch, von der alles nivellierenden bürgerlichen Gesellschaft bezwungen, zum Revolver greift, den er aber im letzten Augenblick grinsend und mit den Worten "Das Leben ist eine Rutschbahn" wieder aus der Hand legt. In dem Schauspiele "Hidalla" zeigt er einen Idealisten, der an seiner von aller Welt mißverstandenen großen Idee zugrunde geht. Griteske Szenen, kühne Sentenzen, abenteuerliche Vergleiche beleben alle diese Arbeiten, und die Zeichnung der absonderlichsten Charaktere der Helden aller seiner Stücke gelingt ihm nicht weniger, als die der erzphiliströsen Gegenspieler. "Hidalla" gehört wie das vorhergehende "So ist das Leben"(die Tragödie des Königs, der zum Possenreißer wird) und die nachfolgende "Zensur" und "Oaha" (letzteres ein recht mäßiges Pamphlet gegen den "Simplicissimus" und seine Leute) zu denjenigen Stücken, mit denen sich Wedekind in der Pose des Verkanntseins selbst zu erklären versucht. In seinem Einakter "Totentanz", ebenso wie in der sehr eigenartigen Geschichte "Mine Haha oder über die körperliche Erziehung junger Mädchen" vertritt Wedekind die Anschauung, daß das Weib zur Hetäre geschaffen sei, und daß die moralische Entrüstung der Männer über die verkäufliche Liebe vieler Frauen nichts sei als purer Brotneid (!). Das Sittengemälde "Musik" wendet sich gegen den Abtreibungsparagraphen des Strafgesetzes und schildert in einer recht dilettantischen Art die sittliche Gefahr, die jungen Mädchen aus dem Kunststudium erwächst. Für die oft wiederholte Behauptung, Wedekind sei der Clown der deutschen Literatur, gibt es mehr wie einen Anhalt. Trotzdem ist seine Kunst oft ernst gemeint und ernst aufzufassen. Sie ist eine beißende und rücksichtlose Kritik der menschlichen Einrichtungen, und Wedekind hat als Dichter und als Satiriker einen Platz unter den ersten lebenden Künstlern zu beanspruchen. Doch macht, namentlich in den letzten Werken, die künstlerische Form allzu stark den Eindruck des Hingeschleuderten und Zufälligen Sie wird für den Dichter augenscheinlich immer mehr zur Einkleidung seiner moralistischen Pose, die kaum mehr ernst zu nehmen ist. E.M. |
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| Frank Wedekind Der Tantenmörder Ich hab meine Tante geschlachtet, |
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| Aus : Martin Möbius (d.i. Otto Julius Bierbaum), Steckbriefe, Berlin und Leipzig 1900, S. 123-124. |
Frank Wedekind oder das grinsende Laster. Ein reizendes Scheusal von einer höchst undeutschen Grazie des Infamen, ein direkter Nachkomme des Arretino. Ein kleiner Schuß Sentimentalität giebt dem Hundskopf eine köstliche Nuance. Das Gegenstück zur "Dame ohne Unterleib", - der Mann, der bloß(s) Unterleib ist. Er denkt mit den Testikeln und schreibt mit - aber diese Steckbriefe kommen gleichzeitig mit der Lex Heinze heraus, und so große Feigenblätter, die Wedekindsche Blöße zu bedecken, gibt es gar nicht. Zur Zeit der italienischen Renaissance hätte dieses Monstrum eine sehr gute Figur gemacht; man kann ihn sich vorzüglich als Sekretär eines lastermunteren Kardinals denken. Was soll er aber heute anfangen? Seine besten Arbeiten sind sicher ungedruckt, denn bei allem, was von ihmgedruckt werden durfte, hat man die Empfindung: das sind nur Andeutungen der eigentlichen Frechheit dieses Geistes. Oh diese beklagenswerte Spätgeburt einer nicht mehr möglichen Geilheit des Geistes! Ein Märtyrer! Ein echter Märtyrer! Wieviel Grazie muß in diesem Menschen stecken, daß er nicht einfach wie ein Gorilla in unsre Moral einbricht und uns alle die zarten Fräuleins raubt: Die Geschämigkeit, die Keuschheit, die platonische Liebe! So aber wandelt er nur mit einem zynischen Lächeln zwischen den Puppen und wiehert zuweilen hengstisch. Armer Enkel des Arrentino! |
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| Für Lehrerinnen und Lehrer, Kolleginnen und Kollegen: Tipps zur Behandlung von "Frühlings Erwachen" in der Mittel- und der Oberstufe |
Jochen Stüsser-Simpson (Deutsch-Lehrer): Die Schülerin Wendla Berger hat Kleider und Frisuren im Kopf, schwärmt für arme Leute, läßt sich von dem Schüler Melchior Gerber mit einer Gerte peitschen, glaubt nicht recht an den Klapperstorch und ist trotzdem ahnungslos, sie schläft mit Gerber, wird schwanger und stirbt bei der Abtreibung. Melchiors moralischer Freund Moritz hat wie die anderen Gymnasiasten Schulprobleme, ein seltsames Verhältnis zu Melchiors Mutter und schießt sich in den Kopf. Obwohl er sich um sein Rückenmark sorgt, onaniert Hänschen Rilow eine ganze Szene lang über einem Jugendstilbild, im Weinberg ist er mit dem Mitschüler Ernst homosexuell zusammen. Usw. Ab der 10.Klasse ist "Frühlingserwachen" in den Grundzügen verständlich, gespannte Aufmerksamkeit ist ihm gewiß. Die SchülerInnen sollten jedoch Lust auf dieses Thema haben und nicht mit ihm überrumpelt werden. Das Rollenverhalten der Mädchen und Jungen wird (gerade im I.Akt) wiedererkennend gelesen und diskutierbar, die gestelzt bildungsbürgerliche Unterhaltung der Gymnasiasten (I Akt, 2 Szene) über den erwachenden Sexualtrieb schafft Distanzierungsmöglichkeiten und erleichtert den Einstieg. Die sozialkritisch gewendete Sexualität ist auf den verschiedenen Ebenen, der Fülle der Details und der dramatischen Zuspitzung sehr gut nachvollziehbar; hier die Jungen, dort die Alten, hier die natürliche Entwicklung der Sexualität, dort die bürgerliche Gesellschaft mit ihrer überkommenen Sexualmoral, hier die sexuellen Lüste, Begierden und Phantasien, dort erstarrte Konventionen und Unterdrückung: Tabus, Verbote, Lügen, Doppelmoral und mörderische Selbstgerechtigkeit. Nicht ganz so auffällig ist die Art der dargestellten Sexualität: sie scheint positiv und natürlich, hat aber mit Liebe nichts zu tun. Liebe, individuelle Zuneigung u.ä. sind nur als Ideologie-Elemente der Erwachsenenmoral vorstellbar. Die pubertären Leidenschaften äußern sich vollkommen zufällig, sind nicht an bestimmte Personen gebunden, niemand ist bis über beide Ohren verliebt. Dies verhindert eine durchgehende Identifizierung mit den Akteuren und läßt sich anhand der Freunde Moritz und Melchior gut besprechen: während des Sexualaktes mit Wendla verneint dieser die Liebe und predigt Egoismus (II,4), dagegen muß der mehr als puren Sex wünschende Moritz die Gelegenheit mit Ilse (II,7) verstreichen lassen, er bleibt verzweifelt und vereinsamt zurück und erschießt sich. Eine Formel wie z.B. Egoismus=Freiheit garantiert in diesem Zusammenhang erfahrungs- und wunschgeladene Auseinandersetzungen sowie eine kritischer prüfende Lektüre. Deshalb sollte bei einem chronologischen Vorgehen dieser Gesichtspunkt schon recht früh eingebracht werden. In der Sek II ist es bei der Eros/Sexus-Unterscheidung möglich, den Sexus genauer zu untersuchen. Nur durch Repression wird bei Wedekind die Sexualität zum Problem, Perversionen etwa sind nicht anders zu erklären. Dem steht Sigmund Freuds Perversions-Begriff gegenüber, wie von Walter Benjamin in einer Wedekind-Rezension gezeigt, kurz referiert in dem anregenden Nachwort der Goldmann-Ausgabe von Thomas Medicus. Wichtiger ist jedoch das Gespräch über die - moderne - Verabsolutierung, Mythologisierung, Utopie des Sexus. Hierzu bieten sich Auszüge aus Foucault-Texten an, z.B. dem Interview "Nein zum König Sex"(Merve-Band 176f). Vor diesem Hintergrund lassen sich die Frauenbilder in "Frühlingserwachen" untersuchen bzw. der entsprechende männliche Blick, insbesondere auf die Wedekindsche Idealfigur der polygamen Ilse (II,7). Bei Interesse könnte eine mögliche Anschlußlektüre Wedekinds "Lulu" sein. Relativ schnell zu klären ist in der Oberstufe die zur Beliebigkeit führende Moralvorstellung des "vermummten Herrn" als die eines Produktes imaginärer Größen (III,7). Allerdings sollte die Wedekind-Kritik nicht nur aktualisierend oder textimmanent bei dessen biologistischen Verkürzungen stehen bleiben; sie fiele so in die von ihm zu Recht bekämpften Idealismen zurück. Erst angesichts der Moralvorstellungen und im Rahmen der Kultur der Jahrhundertwende, also mittels historisierender Unterrichtsarbeit, läßt sich seine Konzeption angemessen bewerten. Frank Wedekind, Frühlings Erwachen. Stuttgart: Reclam 7951. (Erstdruck:1891) Frank Wedekind, Frühlings Erwachen ( und: Der Marquis von Keith). Nachwort, Erläuterungen und bibliographische Hinweise von Thomas Medicus und Burghard Dedner, Zeittafel von Hartmut Vincon. München 1987: Goldmann Klassiker 7542. |
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| Was lässt sich aus "Frühlings Erwachen" lernen? Tipps für Schüler | |||||
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| Niklas Zerfang, 10c Zu Wendla Berger in "Frühlings Erwachen" Frühlings Erwachen ist eine Kindertragödie von Frank Wedekind, die um die Jahrhundertwende vom 19.ins 20.Jahrhundert spielt. Frank Wedekind lebte in einer Gesellschaft, in der Liebe und Sexualität verpönt und in der Öffentlichkeit verboten waren und in der jeder alles geben würde,um nicht von der Gesellschaft geächtet und ausgestoßen zu werden. Frank Wedekind ging diese ganze Blenderei,mit mehr Schein als Sein,so auf die Nerven, dass er ein Buch verfasste, in dem er die ganzen Mißstände anprangern wollte. Im Vordergrund von Frühlings Erwachen steht die Liebe der beiden Jugendlichen Wendla und Melchior,die aufgrund der Anforderungen und Ideale der Gesellschaft zu Grunde geht. Wendla ist ein 14-jähriges wohlbehütetes, unerfahrenes Mädchen, das auf dem Weg vom Kind zur Frau ist. Sie hat ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Mutter und bringt ihr sehr viel Liebe entgegen, vielleicht sogar zu viel, da sie bei ihr keine Fehler mehr erkennt. Ihr Charakter wird von Naivität bestimmt, sie hat keine Ahnung von Sexualität und besonderen Gefühlen gegenüber dem anderen Geschlecht, da ihre Mutter ihr die wichtige Aufklärung verweigert. Wendla sucht nach Wissen und Zustimmung, wird aber von ihrer Mutter darum betrogen, weil diese Angst hat vor dem Erwachsenwerden ihrer Tochter und dem dadurch bedingten Prozess der Entfremdung, so entsteht bei ihr der Wunsch, die Tochter so zu behalten, wie sie gerade ist. Wendla ist aber auch ein neugieriges, fröhliches Mädchen,dass sich für die Probleme ihre Freundinnen interessiert und besonders durch ihre Unbekümmertheit und Hilfsbereitschaft auffällt. Im krassen Gegensatz dazu steht Melchior, bei dem Sexualität kein verbotenes Thema in der Erziehung ist. Melchior,der sehr gut in der Schule ist, weiß zwar Bescheid, aber in ihm brodelt der Wunsch, diese Dinge, von denen er bisher nur gehört hat, jetzt auch in der Praxis zu erfahren. In Wendla fangen Gefühle an zu erwachen, die sie vorher nicht kannte und die sie nicht einordnen kann, da ihr das nötige Wissen fehlt. Sie empfindet zwar etwas für Melchior, aber kann sie wirklich Liebe empfinden, wenn sie nicht weiß was das ist, da sie nur die sporadischen Erklärungen der Mutter kennt? Das Verhältnis zwischen Melchior und Wendla gipfelt dann schließlich in der Heubodenszene, in der Melchior endlich seine erhoffte erste sexuelle Erfahrung bekommt (vorher sagte er, er wolle Befriedigung nicht nur denken), während Wendla eigentlich gar nicht weiß, was sie da macht, geschweige denn sich über die möglichen Folgen bewusst ist. Obwohl Wendla nicht weiß, was sie da tut, kann man nicht von einer Vergewaltigung sprechen, da sie erstens freiwillig zu Melchior gekommen ist und zweitens nach der Liebesszene einen verwirrten, aber fröhlichen Eindruck macht. Offen bleibt aber die Frage, ob Wendla genauso gehandelt hätte, wenn sie Bescheid gewusst hätte. Wendla versucht nach der Liebesszene ihre Stimmung und ihre Gedanken einzuordnen;sie ist aber unfähig sich mitzuteilen, da sie nicht in der Lage ist, das Erlebnis in Worte zu fassen, sondern nach jemandem sucht, der ihr helfen könnte, Erklärungen zu finden. |
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Marie Siepmann, 10c Ein Vergleich: Welche Rolle spielen Liebe und Sexualität in Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen"(1891) und Charles Simmons´ "Salzwasser"(1998)? "Frühlings Erwachen" ist ein Theaterstück von Frank Wedekind, das um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jh. spielt. Im Vordergrund stehen die Entdeckung der Sexualität von Jugendlichen und eine junge Liebe, die aufgrund der Anforderungen der Gesellschaft, auf tragische Art und Weise zerbricht. Die Erzählung "Salzwasser" von Charles Simmons spielt in der Mitte des 20.Jh. und handelt von einem 15 Jahre alten Jugendlichen, der in einem Sommer seine erste große Liebe trifft, seinen Vater verliert und seine Liebe verraten sieht. "Frühlings Erwachen"spielt zu einer Zeit (dem ausgehenden Kaiserreich), in der Liebe und vor allem Sexualität Tabuthemen waren. Die Gesellschaft gab ihre Richtlinien vor und man sollte und wollte sich daran halten, was besonders die Familien in Punkten der Erziehung und der sexuellen Aufklärung betraf. Die beiden Hauptpersonen des Theaterstücks Wendla und Melchior kommen beide aus Elternhäusern, die grundverschiedene Ansichten in Fragen der Erziehung vertreten. Wendla wird so erzogen, dass ihr sexuelle Aufklärung gar nicht mitgeteilt wird und sie in diesem Bereich völlig ahnungslos ist. Das totale Gegenstück ist Melchior, in dessen Familie Sexualität ein offenes Thema ist, über das durchaus gesprochen wird. Wendla weiß zwar nicht, was Liebe ist, verspürt aber Gefühle für Melchior, die damit zu tun haben. Melchior dagegen weiß über Liebe und Sexualität genau Bescheid und hat Gefühle für Wendla; er möchte aber auch die Dinge, von denen er bisher nur (in der Theorie) gehört hat, praktisch erfahren. So kommt es dann zum Sexualakt, bei dem Wendla überhaupt nicht weiß, was genau sie da gerade macht und welche Folgen es haben kann und wird. Melchior, der Zynikler, der nicht an wahre Liebe glaubt (II, 5: Oh glaub mir, es gibt keine Liebe! Alles nur Eigennutz, alles Egoismus!), nutzt dagegen ungewollt ihre Situation aus. Nach dem Akt, der den Höhepunkt in den Liebesbeziehungen darstellt, möchte Melchior Verantwortung für Wendla übernehmen, da er über die möglichen Folgen Bescheid weiß. Möglicherweise liebt er sie, wahrscheinlicher ist aber, dass er nur Verantwortung für seine Handlungsweise übernehmen will, weil er weiß, dass sie nicht richtig war. Wendlas Gedanken sind nach dem Akt geteilt. Einerseits verspürt sie Glücksgefühle, andererseits will sie wisse, was genau da eigentlich geschehen ist und was sie gemacht hat. Genau diese Ahnungslosigkeit wird ihr dann auch zum Verhängnis und führt zu ihrem Tod. Die Gefühle beider zueinander konnten sich nicht entfalten, da Liebe und Sexualität öffentlich und eigentlich auch in den Familien nicht erlaubt waren und Eltern ausnahmslos alles, auch die eigenen Kinder, dafür opferten, um in der Gesellschaft zu gefallen. "Salzwasser" dagegen hat eine völlig andere Ausgangsposition. Die Erzählung spielt in den 60er Jahren des 20.Jh. und Liebe und Sexualität sind natürliche Teile des Lebens. Die Hauptperson, Michael, ein 15 jähriger Jugendlicher, verbringt mit seinem Vater Peter, zu dem er mehr als nur ein freundschaftliches Verhältnis hat und seiner Mutter den Sommer in ihrem Haus auf einer Insel. Dort begegnet er zum erstenmal dem Mädchen Zina, 20 Jahre alt, die mit ihrer Mutter im Gästehaus den Sommer über wohnt, und verliebt sich sofort in sie. Zina ist seine erste große Liebe und er empfindet reine, ehrliche Liebe für sie. Langsam beginnt sich eine Freundschaft zwischen den beiden zu entwickeln, die durch seine Verehrung Zina gegenüber geprägt ist. Doch dann sieht er seine Liebe und Gefühle für Zina verraten, als er erfährt, dass sein Vater ein Verhältnis mit ihr hat. Sein Vater, Peter, ist ein fröhlicher, gut aussehender Mann, der das Leben und noch mehr die Frauen liebt. Er trennt Liebe von Sexualität und sieht Affären mit anderen Frauen als etwas Natürliches an, das er braucht. "Frühlings Erwachen" und "Salzwasser" scheinen die selbe Thematik zu haben, doch dadurch, dass der Zeitunterschied mehr als fast ein Jahrhundert beträgt, muss man doch einiges unterscheiden: |
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| Stefanie von Oertzen 10c Ein Vergleich: Welche Rolle spielen Liebe und Sexualität in Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen"(1891) und Charles Simmons´ "Salzwasser"(1998)? Das Theaterstück "Frühlings Erwachen" von Frank Wedekind spielt um den Jahrhundertwechsel (19. und 20. Jahrhundert) und greift die Probleme der Jugendlichen auf, die durch den Einfluß der Gesellschaft entstehen. In dieser Zeit war die individuelle Vorstellung von Liebe und Sexualität von den gesellschaftlichen Normen, stärker als heute, beeinflusst. Das Theaterstück zeigt, meiner Meinung nach, mit Wendla und Melchior zwei "gegensätzliche" Beispiele im Bezug auf Liebe und Sexualität. Wendla hat eine "gehemmte" Sexualmoral. Ihre Mutter hat ihr eingeprägt, man müsse jemanden sehr lieben, um schwanger zu werden, aufgeklärt wurde Wendla von ihrer Mutter aber nicht. Dadurch, dass Wendla nicht weiß, wie es ist, jemanden sehr zu lieben, sie außerdem nicht weiß, wo die Grenzen liegen, kommt es zu ihrer "gehemmten" Sexualmoral, die ihr später zum "Verhängnis" wird. Wendla möchte auch nicht schwanger werden, was ebenfalls zur verklemmten Sexualmoral beiträgt. Wendla kennt nur die innige "mütterliche Liebe", nicht aber die sexuelle. Dies erklärt, dass sie sich danach sehnt, von einem Mann geliebt zu werden (1,2 Zeile 21). Sie weiß, dass es etwas "Hochspannendes" zwischen Mann und Frau gibt und so kommt es auch, dass sie mit Melchior schläft (2,4), schließlich "siegte die Neugier über die Vernunft". Insgesamt könnte man sagen, dass Wendla zwar nicht aufgeklärt ist, aber trotzdem alles am eigenen Leib erfahren will und eine "offene" Einstellung zur Liebe hat, diese Einstellung aber teils gehemmt ist wegen der mangelnden Aufklärung. Melchior ist im Gegenteil zu Wendla, meiner Meinung nach, aufgeklärt. Melchior kommt aus einem Elternhaus, wo gesellschaftliche Normen zwar eine Rolle spielen, aber das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn offen und vertrauensvoll ist. Durch das Vertrauen der Mutter ist Melchior selbständig und trägt Verantwortung. Dies spiegelt sich in seiner Einstellung zur Liebe und Sexualität wider. Nachdem er Wendla geschwängert hat, zeigt er sich verantwortungsbewußt, indem er sich um eine gemeinsame Zukunft kümmern will. Dies zeigt auch die "Reife", die ihn von den anderen Jugendlichen im Theaterstück unterscheidet. Doch Melchior glaubt nicht an die Liebe (2,4 Zeile2,) er ist der Überzeugung sie sei Eigennutz und Egoismus. Er könnte dies meiner Meinung nach behaupten, da er ein realitätsnaher Mensch ist, der jedoch alles etwas pessimistisch sieht. Dennoch findet er Wendla sichtlich anziehend und schläft auch mit ihr. Melchior ist ein Junge, der nicht an die Liebe glaubt, dennoch seine sexuellen Erfahrungen macht und weiss, was für Folgen dies haben könnte. |
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