Zeitgenossen

Arnold Schönberg


Beitrag von
Benita von Heyden '99,
LK-Deutsch
Schönbergs
Kompositionsmethode
Zusammenhang mit Dehmel

Arnold Schönberg wird 1874 als Sohn eines Kaufmanns in Wien geboren. Er erlernte Musik als Autodidakt. 1901 heiratet er die Schwester seines einzigen Lehrers und Freundes Alexander von Zemlinsky, Mathilde. Im gleichen Jahr siedelt er nach Berlin über, wo er zuerst Kapellmeister an Wolzogens "Überbrettl", einem bunten Theater wird, bis ihm Richard Strauß ein Jahr später das Liszt-Stipendium und eine Lehrstelle am Sternschen Konservatorium in Berlin vermittelt. 1925 wird Schönberg Nachfolger Busomis als Leiter einer Meisterklasse für Komponisten an der Berliner Akademie für Künste. 1933 emigriert Schönberg in die USA. Nachdem er 1933 als Musikerzieher in Boston tätig war, siedelt er 1934 nach Los Angeles über, wo er Privatunterricht gibt und Vorträge an der University of Southern California (USC) hält. Zwei Jahre später bekommt er einen Lehrstuhl an der University of California (UCLA). 1941 erhält Schönberg die Faculty Research Lecture an der UCLA über Kompositionen mit zwölf Tönen. Arnold Schönberg stirbt 1951 als Ehemann und Vater von fünf Kindern in Los Angeles. Schönbergs revolutionäre Kompositionsmethode, die Zwölftonmusik, die keine Rücksicht auf die früheren Gesetze der Harmonielehre nimmt, sondern in der jeder Ton nur auf seinen Nachbarton bezogen ist, kann als Geburtsstunde der modernen Musik gesehen werden.

Schönbergs Kompositions-
methode

 

Arnold Schönberg ist der erste Komponist, der keine Rücksicht mehr auf die früheren Regeln der Harmonielehre nimmt und somit eine völlig neue Kompositionsmethode, die ZWÖLFTONMUSIK, erfindet.
Nachdem Schönberg in seinen Frühwerken, besonders in seinem Chorwerk "Gurrelieder" nach Jakobsen und in der sinfonischen Dichtung "Pelleas und Melisande", als Ausläufer der Spätromantik Wagners gilt, fängt er 1908 an, gegen diese Abhängigkeit zu kämpfen.
Er beginnt, eine Methode zu entwickeln, in der er mit 12 Tönen innerhalb einer Tonleiter komponiert. So zeigt sich Schönberg bald schon als Revolutionär in seinem "5 Orchesterstücke" (op. 16) und in seinem kammermusikalischen Werk "Pierrot lunaire" (op. 21), das er 1912 fertigstellt.
Mit der Methode, in der 12 Töne innerhalb einer Tonleiter verwendet werden, hatten zwar schon alle Meister vor Schönberg gearbeitet, aber er setzt nun die Töne, ohne die früheren strengen Regeln der Harmonielehre zu beachten, einfach so hintereinander, daß sich jeder Ton, ohne Rücksicht auf die Bindung der einzelnen Töne innerhalb einer Tonart, nur noch auf seinen Nachbarton bezieht.
Schönberg erfindet für jedes seiner Werke eine "Grundgestalt". Dadurch, daß sich jeder Ton nur auf seinen Nachbarton bezieht, zeigt sich ein intervallmäßig (mit dem Abstand zweier Töne) festgelegtes Thema, das die Struktur des Gesamtwerkes ergibt. In dieser Abwendung von der früheren, rein-melodischen Tonalität, liegt die Geburtsstunde der MODERNEN MUSIK.
Schönberg vervollkommnet seine Kompositionsart, die Zwölftonmusik, in seinen "Variationen für großes Orchester" (op.31, 1928 nach zwanzigjähriger Pause), dem "Violinkonzert" (op.36) und dem "Klavierkonzert" (op.42, 1942).

Zusammenhang
mit Dehmel
Schönberg begeisterte sich schon früh für die Lyrik Dehmels. So fing er an, ab 1899 Dehmelgedichte zu vertonen. Am Anfang entstanden drei Klavierlieder nach den Texten der Gedichte "Erwartung", "Schenk mir deinen goldenen Kamm" und "Erhebung". Zeitgleich schrieb Schönberg ein Gesangsstück nach dem Gedicht "Warnung".
In seinem Lied "Erwartung" kann man schon deutlich erkennen, daß Schönberg sich langsam zur atonalen Musik entwickelt, obwohl diese Stück noch sehr vom Jugendstil geprägt ist. Innerhalb von drei Wochen entstand im Jahre 1899 das Streichsextett "Verklärte Nacht", das durch komplizierte kontrapunktische Kombinationen Dehmels Worte in künstlerische Motive übersetzt. Diese Komposition Schönbergs, die heute als "spätklassisch" und "hochromantisch" bezeichnet wird, wurde bei ihrer Uraufführung 1902 im Wiener Klassikmusikverein von heftigen Protesten begleitet, da diese neuartige Idee einer Vertonung eines Gedichtes anscheinend einige Zeitgenossen erheblich überforderte.
Nach anfänglich heftigster Kritik wurde letztendlich doch eingesehen, daß "nur eine ernste, tiefe Natur solche Töne finden kann, nur eine ungewöhnliche Natur sich auf so dunklem in solcher Weise voranleuchten
kann".
Durch dieses Streichsextett entstand über ein Jahrzehnt nach der Uraufführung ein Briefwchsel zwischen Arnold Schönberg und Richard Dehmel. Dieser begann damit, daß Dehmel dem Komponisten Schönberg persönlich schildern wollte, wie sehr er von Schönbergs "Verklärter Nacht" begeistert und verzaubert worden sei.
Während dieses Briefwechsls beschreibt Schönberg einmal, daß die Gedichte Dehmels ihn immer schon inspiriert haben. Er sagt, Dehmel habe "einen entscheidenden Einfluß" auf seine "musikalische Entwicklung" gehabt.
Ebenfalls beteuert er in diesem Briefwechsel, "daß fast an jedem Wendepunkt seiner musikalischen Entwicklung ein Dehmel-Gedicht steht". Zu einem späteren Zeitpunkt schreibt Schönberg an Dehmel, daß er vorhabe, ein Oratorium zu schreiben und bittet ihn auf diesem Wege, mit ihm zusammenzuarbeiten und somit den Text für das Oratorium zu schreiben.
Dehmel lehnt aber leider mit der Begründung, er könne nicht auf Bestellung dichten, ab, schickt aber das bereits fertiggestellte Gedicht "die
Schöpferfeier"/ "Oratorium natale" mit. Dieses schickt er mit dem Zusatz, er wäre beglückt, "wenn dieses poetische Gebet `zufällig`, das heißt aus unbegreiflicher Notwendigkeit mit Ihrer musikalischen Sehnsucht übereinstimme. Ich habe, als ich es schrieb, immerfort Musik zwischen den Zeilen gehört...".
Schönberg versuchte daraufhin tatsächlich, den eingeschickten Text als dritten Satz in eine Chorsymphonie einzufügen. Von Selbstzweifeln gequält, gab er jedoch bald auf. Heute liegt die unvollendete Partitur dieses Werkes im Schönberg-Nachlaß in New York.