Zeitgenossen

Franziska Reventlow


Beitrag von
Laura von Hurter '99,
LK-Deutsch
Leseprobe
Ein Brief
Zusammenhang mit Dehmel
Kreatives Schreiben
Tagebuch
Bravo
Frag' Gabi

Franziska Gräfin zu Reventlow ( eigentlich Fanny ) kam am 18.5.1871 in Husum als Tochter eines preußischen Landrats zur Welt. Sie hatte viele Geschwister und galt als schwarzes Schaf der Familie also verbrachte sie ihre Jugend in Hamburg und Lübeck. Sie war Gräfin und wollte eigentlich keine sein, so ging sie als Franziska Reventlow 1892 nach München um sich als Malerin ausbilden zu lassen. Doch gleichzeitig übte sie mehrere Berufe aus, sie probierte sich als Schauspielerin, als Ladengeschäftsfrau und wenn sie gerade mal knapp bei Kasse war, nahm sie auch mal Geld für das, was ihr besonders gut gefiel...
Erst durch die Briefe an ihren ersten Geliebten entdeckte sie ihr eigentliches Talent, das Schreiben. In dem Stadtteil Schwabing fand sie schnell Anschluß an die dort lebenden Kreise von Literaten, Malern, Musikern und Philosophen, sie wurde zu einem Mitglied der Münchener Bohème. 1894 heiratet sie einen Walter Lübcke, der sich aber wenig später wieder von ihr trennt, da sie ihm
keineswegs Treue erweist. Mit dreißig bekommt sie einen Sohn namens Rolf, aber sie hat nie gesagt von wem er ist. 1909 hat sie dann genug von München und zieht nach Ascona in die Schweiz, wo sie dann auch am 25.7.1918 stirbt.

Leseprobe

 

" Es ist alles so sonderbar, so ein schmerzlicher, herrlicher Reichtum nach allen Seiten. Mir ist manchmal, als ob ich reicher wäre, mehr umschließen könnte mit meinen Armen, als alle anderen Menschen... "

Lübeck, 2.5.91

Liebster E.
ich bin seit Dienstag jeden Tag zur Post gestürzt, aber noch immer nichts von Dir, so gebe ich denn heute die Hoffnung auf, will Dir aber doch nicht Gleiches mit Gleichem vergelten.
Ich habe gestern einen furchtbaren Reinfall zustande gebracht und sitze nun morgens um halb sieben hier bei schönstem Frühlingswetter mit dumpfem Jammer, um Dir zu beichten.
Also, wie Du wohl von Catty gehört hast, war gestern Mienes Jubiläum. Sie hatten sich ca. 10 Leute eingeladen, einer eine Harmonika mitgebracht, und tanzten nach dem Fraß. Ich hatte bis halb elf gearbeitet, war dann unten, wo auch Pastor Bernhardt war, sagte gute Nacht und verschwand, ging aber nicht zu Bett, sondern in die Küche, und tanzte mit Juchhe mit. Es war eigentlich brillant, in unserer ziemlich engen Küche mit lauter schlichten Handwerkern und deren Gattinnen. Alles sang und johlte beim Tanzen, es wurde mächtig Punsch getrunken, Hochs ausgebracht etc. Als das Tanzen zu Ende war, wollte ich ab, aber sie baten mich, dazubleiben. Nun wurde noch gesungen, unsere deklamierte, Mine dito. Du glaubst gar nicht, wie famos die ganze Orgie war. Da auf einmal erscheint Papa in der Küche - dies war nebenan - und ruft Fanny. Weiß Gott, wie er es gemerkt hat, ich kriege einen elementaren Schrecken, krieche unter den Tisch, muß aber heraus und mit ab. Stell Dir vor, es war einfach erschütternd; er fragte mich ca. fünf mal, ob ich verrückt sei, worauf ich laut und kräftig Nein sagte; ob ich betrunken sei, Nein ! Was ich mir gedacht hätte ? Ich wußte es wirklich nicht, ich hatte nur eine Heidenangst gehabt. Es war halb eins, alles zu Bett, folgte eine halbstündige gräßliche Unterredung mit Papa.
Ich war übrigens ziemlich angeheitert und konnte mich absolut nicht besinnen, wo und wer ich und was da los sei. Ich weiß nur noch so ungefähr, daß ich ihn anflehte, mich nicht fortzuschicken, indirekt, indem ich behauptete, sie würden mich nunmehr fortschicken, ich brauchte nun nicht weiterzureden. Papa setzte mir auseinander, daß ich mich und ihn blamiert hätte und immer blamieren würde, selbst dabei zugrunde gehen etc.; dann, wie die Stellung eines jungen Mädchens in unserem Hause wäre, daß ich niemals eine andere erlangen würde, er mich niemals gehen lassen würde etc. etc.


Zusammenhang
mit Dehmel
Fehlt


Tagebuchaufzeichnung
München, den 30.5.1893

Liebes Tagebuch,

heute abend saß ich mit meinen Freunden im Biergarten, es war wie immer sehr nett und witzig, bei Gesprächen unter Künstlern und Schriftstellern wird es schließlich nie langweilig.
Theodor kam später noch mit einer Begleitung dazu, eine Frau, die ich noch nie zuvor gesehen habe. Er stellte sie uns vor, ein relativ junges Mädchen, sie heißt Franziska Reventlow, und fängt gerade ihr Kunststudium an und ist wohl neu in München.
Anfangs sah sie sehr sympathisch aus und machte auch einen recht anständigen und netten Eindruck, obwohl sie doch sehr gewagt gekleidet war. Sie trug einen fliederfarbenden Rock, der mit einer Spitze an dem Saum versehen war, und in dem selben Farbton eine Bluse, die aber am Ausschnitt dringend noch einen Knopf gebraucht hätte.
Wie dem auch sei, da ich ja ein toleranter Mensch bin, legte ich meinen ersten Eindruck beiseite und widmete mich nur noch ihren Worten.
Später aber, nachdem sie ein paar Biere getrunken hatte, was für junge Damen auch nicht üblich ist, schmieg sie sich an jeden Mann und zog somit jedes einzelne der Männeraugen auf sich. Ein merkwürdiges Verhalten, sie schenkte ihre Aufmerksamkeit nur den Herren der Runde und ließ uns Frauen völlig aus der Acht.
Meiner Meinung nach gehört sich so etwas nicht, sie verhielt sich wie ein Flittchen.
Der Name Reventlow kam mir irgendwie bekannt vor, und heute bin ich darauf gekommen : Es gibt im Norden von Deutschland ich glaube bei Lübeck, ein riesiges Schloß von einem Grafen zu Reventlow, diese Franziska kann nur zu dieser Familie gehören. Ob ihr Vater weiß, was sie hier treibt ?
Ich würde gerne wissen, warum sie uns ihren Titel verheimlicht hat, jeder anständige Mensch wäre stolz darauf.
Nun ja, ein merkwürdiges Verhalten, ich hoffe nur sehr, daß sie uns jetzt nicht jeden Abend Gesellschaft leisten wird.
Nun bin ich müde und werde zu Bett gehen.
- Alles Liebe -

Bravo - Frag' Gabi
Liebe Gabi,
neulich habe ich ein Mädchen kennengelernt, in das ich jetzt total verknallt bin. Ihr Name ist Franziska Reventlow und sie sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch viele Talente.
Obwohl sie adelig ist, gibt sie damit nicht an und ich finde es auch total toll, daß sie mit ihrer Familie nicht mehr redet und in Hamburg und Lübeck alleine lebt. Einer meiner Freunde hat mir erzählt, daß wenn man ihr Geld schenkt, man ganz viel Spaß mit ihr haben kann.
Bald will sie aber nach München gehen, das finde ich doof, aber vielleicht kann ich sie ja vorher noch einmal treffen.
Das blöde an der ganzen Sache ist nur, daß Franziska nicht nur zu mir so nett ist, sondern auch zu all den anderen Jungen aus meiner Klasse.
Ist sie auch in mich verliebt, oder warum verhält sie sich so, und warum ist sie auch zu den anderen so lieb, und was meint mein Freund eigentlich?

Gabi, bitte schreibe mir !