Zeitgenossen

Ida Dehmel



Photografien
Vorstellung eines Buchs
Matthias Wegners über
Ida Dehmel
Aber die Liebe
Leseprobe

Ida Dehmel:
Das Perlgewebe

Ida und Richard Dehmel:
Psalm zweier Sterblicher

Carl Ludwig Schleich:
Auszug zum Tode R. Dehmels
aus
Besonnte Vergangenheit



Ida und Leopold Auerbach.

Unten der gemeinsame Sohn
Heinz-Lux, gefallen 1917
im 1. Weltkrieg.

Biographie geschrieben anhand des Kataloges zu der Ausstellung der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg vom 14.1-27.2.1970:
Ida Dehmel 1870 - 1942.

Sie wird in eine alteingesessene jüdische Familie in Bingen am Rhein hineingeboren, die reich und konservativ ist. Nach dem frühen Tod der Mutter wird sie nach den strengen Prinzipien des Vaters erzogen - u.a. in Mädchenpensionaten, der sich an den zeittypischen Ansprüchen an höhere Töchter orientiert.Sie besucht ein belgisches Mädchenpensionat. Anregend ist für die Zwanzigjährige die Begenung und Freundschaft mit Stefan George, der auch in Bingen aufwächst. Die Niederschrift ihrer Kindheits- und Jugenderinnerungen beginnt sien 1901: Mitte der Zwanziger Jahre und um 1940 arbeitet siediese zu dem Schlüsselroman "Daija" um. Als Fünfundzwanzigjährige heiratet Ida Coblenz auf Wunsch des Vaters den Berliner Kaufmann Konsul Leopold Auerbach. Die Familie bezieht ein Haus am inneren Rande des Tiergartens, Lennéstr. 5. Im Dezember 1895 kommt der Sohn Heinz-Lux zur Welt. In dem luxuriösen Hause Auerbach eignet sich Ida Auerbach die noch existierende Tradition der Berliner Salons an und verbindet sie mit den noch jungen alternativen und antibürgerlichen Kräften der Berliner Bohème. 1895 lernt sie so Richard Dehmel kennen. 1898 gerät Leopold Auerbach in den Verdacht eines betrügerischen Bankrotts und wird vorübergehend inhaftiert. Dies nimmt sie zum Anlaß, die entfremdete Ehe aufzulösen. Frau Isi verstand es zwischen 1895 und 98, ihr Haus zu einem Knotenpunkt des künstlerischen Lebens in Berlin zu machen. Nach dem Verlust ihres Vermögens durch den Bankrott ihres Mannes verliert sie zwar die Rolle der Mäzenatin, bleibt aber weiterhin der Kulturszene verbunden, indem sie effizient kritisiert, animiert und koordiniert. 1898 zieht Frau Isi nach Pankow in die unmittelbare Nachbarschaft von Paula und Richard Dehmel. Dieser trennt sich auch von seiner Familie, Richard Dehmel und Frau Isi, in freier Ehe lebend, entscheiden sich für eine längere Reisezeit, die vom Sommer 99 bis Ende 1900 dauert.. Sie gehen zunächst nach München; von dort brechen sie zu einer langen Reise nach Italien und Griechenland auf. Auf dem Rückweg erkrankt in Sirmione am Gardasee, wo sie ursprünglich länger bleiben wollten, Frau Isis an Typhus. Die Ärzte raten zur Rekonvaleszenz in Deutschland. Als Aufenthaltsort wählen die beiden - für ein Jahr, wie sich ergeben solle - Heidelberg. Dort wohnt der Freund Mombert, Frau Isis`Schwester lebt in der Nähe, im benachbarten Darmstadt gibt es die Künstlerkolonie Mathildenhöhe. Die Freunde Peter und Lili Behrens leben hier. Im Oktober 1901 heiraten Ida und Richard Dehmel in London. Ihr Domizil richten sie in Blankenese, Parkstraße 40, ein. Das Mobiliar entwerfen Dehmel und Behrens gemeinsam. Die Auswahl der Bilder und Gebrauchsgegenstände erfolgt nach dem Maßstab des neuen Stils, wie er u.a. auf der Mathildenhöhe entwickelt wird.In ihren ersten zehn Blankeneser Jahren reisen die beiden (zu Vortragsabenden) sehr viel innerhalb Deutschlands und Österreichs. Die am häufigsten besuchten Städte sind Berlin, München, Wien, Leipzig, Dresden. Es ist nicht gewiß, ob die Dehmels auf Dauer in Hamburg ansässig bleiben. Eine häufig erwogene Alternative ist Weimar, wo sich ab 1902 ein Künstlerkreis etabliert hat, der Weimar zu einem neuen kulturellen Zentrum entwickeln möchte: Harry Graf Kessler, van de Velde u.a. gehören dazu, das Nietzsche-Archiv ist eine der aktiven Institutionen. Parallel zu allen Umzugsüberlegungen wird das Blankeneser Domizil ausgebaut. Viele Besucher kommen wegen der Dehmels nach Hamburg und Blankenes. Längst bevor Dehmels Haus 1912 fertiggestellt wird, ist das Dehmelhaus schon der Inbegriff aufgeschlossenen, geselligen kulturellen Lebens.
Der erste Weltkrieg bringt tiefgreifende Wandlungen: Im Januar 1917 fällt ihr Sohn Heinz-Lux , der im Garten des Dehmelhauses begraben wird. Dehmel, der sich als Fünfzigjähriger freiwillig zun Kriegsdienst gemeldet hat, zog sich im Felde eine Venenentzündung zu, die 1919 eine Thrombose verursacht und am 8.2.1920 zum Tode führt. Ida Dehmel sieht sich nun finaziellen Problemen gegenüber; zur Erhaltung des Dehmelhauses und zur Sicherung des Nachlasses gründet sie eine Dehmelstiftung und eine Dehmelgesellschaft, die von Hamburger Persönlichkeiten unterstützt werden, z.b. dem Bürgermeister Werner von Melle. Schon gegen Kriegsende baut Ida Dehmel einen kunstgewerblich arbeitenden Kleinbetrieb auf, der erfolgreich Perlarbeiten herstellt , die auch exportiert werden. Ida Dehmel ist Mitglied des deutschen Werkbundes. Im Dehmelhaus wird eine Vielzahl von Veranstaltungen zu gesellschaftlichen, künstlerischen und karitativen Themen und Anliegen arrangiert: Kostümfeste, Blumenfeste, Bazare, Ausstellungen usw. Ida Dehmel kann ihre Berliner Erfahrungen einbringen und erweitern.Ihr besonderes Interesse finden Frauenklubs und Künstlerinnenvereinigungen. Aus diesen Aktivitäten entsteht dann im weiteren Verlauf die Gedok, die "Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen". 1933 wird Ida Dehmel wegen ihrer jüdischen Abstammung aus der Gedok, die sie selbst gegründet hat, ausgeschlossen werden. In den Zwanziger Jahren wird zu Vorträgen von Hermann Graf Keyserling, Franz Werfel, Hans Henny Jahnn u.a. ins Dehmelhaus geladen. Selbst nach 1933 finden noch inoffiziell Vortragsabende im Dehmelhaus statt, z.B. von Rudolf G: Binding im April 35. Ida Dehmel kann sich nicht zur Emigration entscheiden. Sie will auch in der Nazi-Zeit das Dehmelerbe bewahren und das Dehmelhaus in ihrem Geiste erhalten. Sie wird zunehmend isoliert. Die Dehmelrechte kann sie nicht mehr allein wahrnehmen. Sie braucht einen nichtjüdischen Verwalter. Ida Dehmel reist, solange es möglich ist: in die USA, nach Mittelamerika und Westindien. Nach 1939 muß sie in Blankenese bleiben und konzentriert sich auf die letzte Fassung ihres autobiographischen Romans "Daija". Viele Bekannte bemühen sich um sie, einige bei den herrschenden Nazis, um sie aus dem Holocaust herauszuhalten, manche aus dem Exil. Trotzdem gerät sie in immer tiefere Verzweiflung. Am 25.1041 schreibt sie an Marie Stern/Blankenese:" Du hast mir einen schönen Brief geschrieben, nicht ahnen, daß ich inzwischen nicht nur dem Tod sondern auch der Hölle nahe war. Seit Mittwoch war nicht nur mein Leben sondern das von Tausenden eine bodenlose Qual. Seit einer Stunde erst scheine ich gerettet zu sein Als Einzelne. Mittwoch erhielten 2000 Hamburger Juden(es können auch nur 1500 gewesen sein), den Evaquirungsbefehl. Diese vorläufig. Man weiß ,daß alle dran kommen sollen. Grausamste Bedingungen. Mitgenommen muß werden: Läusesalbe, Insektenpulver, Staubkamm. Nach Litzmanstadt. Hier u. da eine ganze Familie, aber auch Vater und Mutter, oder Tochter oder Sohn herausgegriffen. Die Haushilfe meiner jüdischen Mieter ist auch dabei, daher habe ich alles aus nächster Nähe miterlebt. Eine arische Bekannte meiner Mieterin kam zu Besuch. Ich schloß ihr die Haustüre auf. Eine junge Frau. Sie sagte zu mir: "Wie gut. daß Sie noch nicht dran sind, da können Sie doch bessere Reisevorbereitungen treffen." Und da schlägt kein Blitz ein und lähmt ihr die Zunge...." " In einem anderen Brief hatte sie schon 1938 geschrieben:"Marion, ich würde nie auswandern ... im Moment in dem ich das Dehmelhaus verlassen muß, mache ich Schluß.." ("0.12.38). Den letzten Anstoß dürfte gegeben haben, daß sie sich unheilbar krank und künftig auf die Hilfe anderer angewiesen glaubt: Am 29.September 1942 nimmt Ida Dehmel sich das Leben.


Photographien

Das Elternhaus in Bingen

Ida als Zigeunerin

Jugendfreund
Stefan George

Beim Karneval in Hamburg

Orientalisches Kostüm

Orientalisches Kostüm mit Schlange

Abendgarderobe

Ida in Reformtracht

Modisch in Streifen

Ida mit den Töchtern Dehmels

Ida an Richards Schreibtisch

Am 25. Februar 2001 präsentierten die Hamburger Kammerspiele und der Claassen Verlag, München, in einer Matinée das neue Buch von Matthias Wegner:

Im vollbesetzten Hause in der Hartungstraße lasen Barbara Nüsse aus unveröffentlichen Briefen und Aufzeichnungen Ida Dehmels, Johanna Wiedenbach spielte Klaviermusik von Bach, Beethoven, Schumann, Chopin und Schönberg und der Autor Matthias Wegner erzählte und las einige Passagen aus seinem Ida-Dehmel-Buch. Auch diese Website wird darin freundlich gewürdigt. Allerdings geht es uns um die gesamte Szene der Jahrhundertwende und nicht nur um Richard Dehmel und dessen Werk: Dies sind lokal günstige Aufhänger und Mittel der Annäherung und des Einstiegs in die zeitgenössische Künstlerkreise, Verklärung soll möglichst vermeiden werden. In der lokalen Presse wurde das Buch durch Rezessionen gewürdigt, in zwei Fernsehsendern in diesem Kontext Features über Ida Dehmel ausgestrahlt.
Zeitgleich feierte die Gedok ihr 75.jähriges Jubiläum. Das wurde zeitweilig im Hamburger Straßenbild durch die Gedok-Plakate manifest, die auf die Ausstellung im Hamburger Rathaus hinwiesen: Innerhalb der Rathaus-Ausstellung und auch des zugehörigen Katalogs wurde bzw. wird Ida Dehmels Rolle in der Hamburger Frauenbewegung und der späteren Gedok gewürdigt.


Lyrik
Das Perlgewebe

Ich sitze dunkle Frau in meinem Zimmer,
stille, dunkle, große Frau.
Weiß ist das Zimmer, weit seine Wände;
weiß ist mein Kleid, mein Webstuhl weiß.
Und vor mir buntgehäuft ein Schatz Perlschnüre.
Was will ich dunkle Frau denn weben? - Mein Leben.

Weiß, weiß und golden sind die Farben meiner Jugend,
ein morgenblauer Himmel über mir.
Himmelschlüssel blühn auf unsern Wiesen.
Viele kleine Blumen will ich weben,
zart ein glückliches Lachen dazwischen,
Alles leuchtet dem spielenden Kind.

Mutter starb. Die Farben werden blasser.
Dunkle Trauerzweige sprießen auf,
schwanke Linien aus schimmerndem Grund,
Thränen glitzern, Sehnsuchtsthränen.
Kind, ich große Frau möcht gern dich trösten;
sieh, ich setz ein funkelnd Sternlein über dich.

Und nun mischen sich die bunten Perlen:
stolz und heftig schießt ein Blutrot hoch
durch ein trotziges Gelb in schroffen Kanten,
hell im Kampf mit strengen grauen Mächten
bäumt die aufwärtsflammende Seele sich:
rot und golden sind die Farben dieser Jungfrau.

Und aus Rot und Gold paart sich ein Schrei nach Liebe.
Rosen blühn aus meinen Händen auf,
jeder Kelch voll Tau und Sonnentraum;
schwer in Büscheln rankt sich ein Klematisstrauch
um die Rosen lilasanft ins Blaue;
die Verheißung glüht aus allen Blüten.

Die Erfüllung log. Nun wirren sich die Fäden.
Fahl und grell verschlingen sich die Schnüre.
Jeder Weg ein Irrweg, und kein Kreis geschlossen.
Zuchtlos drängt sich wides Gestrüpp
über meine Wiesen, meinen Blumenteppich;
und der Stern der Mutter birgt sich hinter Nebeln.

Da - ein klarer Klang: stark: eines Helden Ton.
Schwarz wie der Ursprung, golden wie das Licht,
und moosgrün wie der Wald, aus dem die ersten Menschen kamen
Auch blau sein Himmel, aber mittagsblau;
auch rot sein Blut, doch nordlichtnächtig rot.
Und über Alles breitet sich sein Glanz.

O wie sich unsre Farben herrlich einen:
Leere wird Fülle, und sie strömt wie Quellen,
aus ihren Fluten steigt des Schöpfungstages Feste,
mein Stern strahlt durch des Weltbaums Blütenäste -
so kann ich meine Träume und mein Leben
zum Werk verwebt in Gottes Hände geben.

Aus: R. Dehmel, Gesammelte Werke II, 70

Hier wird künftig mit Sicherheit noch eine ganze Menge publiziert. Vergleiche auch die Ankündigung des Buches von Matthias Wegner!

Ida und Richard Dehmel
Psalm zweier Sterblichen

Der Mann:
Göttin Zukunft,
mit gefesselten Händen hältst du
eine geschlossene Schriftrolle,
drin mein Schicksal verzeichnet steht.
Langsam, Tag für Tag,
ringe ich deinen Fingern
Zoll für Zoll die Urkunde ab,
Zeile für Zeile.
Bis der Augenblick kommt,
wo das entrollte Papier,
eh ich das letzte Wort noch las,
meinem erschöpftem Arm entfällt;
und mit gefesselten Händen
gibst du den Winden zur Sage anheim,
was ich tat.

Das Weib:
Schicksalsgöttin,
ich liege vor dir auf den Knieen.
Du hältst in deinen, ach, gefesselten Händen
eine goldene Tafel,
drin die Namen nur derer eingegraben stehn,
die Unvergeßliches taten.
Auf den Knieen, Schicksalsgöttin,bitte ich dich:
Laß mich nicht ins Namenlose versinken !
Spreng deine Fesseln - oder
nur einen Augenblick
reich mir die goldenen Tafel,
und neben die Runen der Helden und der Weisen
schreib ich hinsinkend:
Ich liebte.

Carl Ludwig Schleich
Besonnte Vergangenheit. Lebenserinnerungen 1858 - 1919. Berlin 1922

Schleich beendet seine Erinnerungen mit der Nachricht vom Tode Richard Dehmels und dem Gedenken an Ida Dehmel:
Mit großem Schmerz gedenke ich an dieser Stelle seiner getreuen Frau Isi, die auf ihn einen ungeheuren, nie versagenden, sein Feuer besänftigenden Einfluß gehabt hat. Sein edelstes Werk "Zwei Menschen" ist sein Bekenntnis einer unzerreißlichen höchsten Bindung des wilden Mannesherzens an die Schönheit einer erhabenen Frauenseele! Sein letztes Gedicht war eine Hymne an diese Außerordentliche. Es lautet:

Standbild

Du meines Lebens einzige Herrlichkeit,
über alle Träume herrlich, geliebte Seele!
Meine Erleuchterin,
die jeden unserer Tage zum Geburtstag,
jede Nachtzur Weihnacht mir verklärte:
Sieh! wenn nun die Stunde kommen wird, unaufhaltsam wie vom fernen Meer die Sturmflut,
immer näher,
schaurigste Stunde für die Liebenden,
wo sich die letzte Klarheit auftut,
wo alles Traum wird, was wir lebten
o ewiger Traum -
sieh, dann aber wirst du stehn,
wie seit je ich gesehn,
groß überm Meer, die Brandung dir zu Füßen,
Lavaklippen sind dein Kleid;
das Haupt gestaltet aus der höchsten Kuppe,
umschleiert wolkenhaft vom schimmernden Flügelspiel
schutzsuchender Singvögelscharen.
So leuchtet dein Antlitz, Seele, ruhig in die Sturmflut,
sonnig, und ob dem Scheitel kreist das Adlerpaar
unseres freien Himmels!


Biographie
Tonia Lensch '99
Am 14. Januar 1870 wird Ida Coblenz in Bingen am Rhein als Tochter einer reichen und konservativen jüdischen Familie geboren. Ihr Vater, ein Kommerzienrat, durch den frühen Tod seiner Frau verhärtet, erzieht seine fünf Kinder sehr streng. Ida erlebt zum ersten Mal die Isolation in der Familie und kurz darauf auch in einem belgischen Mädchenpensionat, wo sie wegen ihres jüdischen Glaubens diskriminiert wird.
Anfang 1895 heiratet Ida auf Wunsch des Vaters den jüdischen Kaufmann Leopold Auerbach. Sie ist in dieser Ehe sehr unglücklich, obwohl Leopold ihr ermöglicht, eine bekannte Persönlichkeit der Berliner Kulturszene zu werden. Ihre Depressionen verbessern sich erst durch die Bekanntschaft mit dem ebenfalls verheirateten Richard Dehmel, der ihr Selbstvertrauen gibt und sie sogar dazu bringt, sich auf das Kind des ungeliebten Ehemannes zu freuen. Ida und Richard verlieben sich ineinander, was dazu führt, daß sie beide zwei Jahre lang hin- und hergerissen sind zwischen Familie und Liebe.
Doch schon drei Jahre nach der Hochzeit mit Leopold gibt seine Inhaftierung wegen Verdachts auf betrügerischen Bankrott Ida einen vor der Gesellschaft vertretbaren Grund auszuziehen und die Ehe aufzulösen.
Nach vielen gemeinsamen Reisen quer durch Europa heiraten Ida und Richard, der sich inzwischen auch von seiner Familie getrennt hat, schließlich im Oktober 1901 und ziehen nach Hamburg. Das Dehmelhaus wird der Inbegriff kulturellen Lebens.
Ida ist voller Tatendrang und versprüht ihre Energie, indem sie verschiedenste Feste und Veranstaltungen organisiert, was sie auch in den Nachkriegsjahren noch fortführt. Sie unterstützt und fördert junge Talente und setzt sich vor allem für mehr Rechte für Frauen in der Gesellschaft ein. Durch Bewunderung von allen Seiten wird sie in ihrer Arbeit noch weiter bestätigt. Ida hat durch die Lebensenergie, die sie alle Leute um sich herum spüren läßt, jede Menge Verehrer, die sie liebevoll Frau Isi nennen.
Nach dem Tod ihres Mannes wird Ida mit finanziellen Problemen konfrontiert, die sie durch Gründung verschiedener Stiftungen zu lösen versucht. Sie entwickelt ein Programm, das Künstlerinnen erleichtert, akzeptiert zu werden und sich behaupten zu können. Dieses Programm wird auch tatsächlich in verschiedenen Städten verwirklicht als GEDOK (Gemeinschaft deutscher und österreichischer Künstlerinnen und Kunstfreundinnen). Doch 1933 wird Ida aus diesem Kreis ausgeschlossen, auf Grund ihrer jüdischen Herkunft.
Diese Isolierung stürzt sie in immer tiefere Verzweiflung, obwohl viele Freunde ihr versuchen zu helfen. Die Angst vor der Inhaftierung wird noch verstärkt dadurch, daß sie hautnah miterlebt, wie Freunde abtransportiert werden.
Ihre Angst, die Isolierung und ihre unheilbare Krankheit führen schließlich dazu, daß sich Ida am 29.September 1942 mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben nimmt.

Tonia Lensch '99