Empörung
Es freuen sich die Scherger und die Schächter,
Dass man die Unschuld peinigt und verhöhnt,
Gebunden steht das Opfer, dran ein frecher
Tyrannendünkel seiner Willkür frönt.
So muss zu Fluch und ewigem Verderben
Der Schwache dulden die metallne Faust,
Die, ihm ihr Schandmal in das Fleisch zu kerben,
Auf den gebeugten Nacken niedersaust.
Zu seinem mörderischen Handwerk rüstet
Sich auf dem Markte der gedungne Knecht,
Der Menschenwohnung zu Staub verwüstet,
Vom Boden tilgt ein wehrloses Geschlecht.
Wie von bekränzten Stieren, an Altären
Dem frommen Opfertod geweiht, raucht warm
Das Menschenblut zu einer Gottheit Ehren
Und keiner fällt den Henkern in den Arm.
Eins tönte eine Botschaft in die Lande,
Die in Erbarmen wandelte die Gier
Und schlug um alle Menschen Liebesbande:
Was ihr den Ärmsten tut, das tut ihr mir!
Wo wächst die Kraft, dass sie die Flammen schüre,
Den Mordgeist wie ein Spukgebid verscheuch`,
Mit Allgewalt an alle Herzen rühre:
Was diesen hier geschieht, das tut man euch!
Wann schwillt zu solch zerstörerischer Welle
Getretner Menschengeist, dass er sich bäumt,
Wild überflutet seine eigne Schwelle
Und dann gelassen wieder weiterschäumt? |
Unterwegs
Ich wandre in der großen Stadt. Ein trüber
Herbstnebelschleier flattert um die Zinnen,
Das Tagwerk schwirrt und braust vor meinen Sinnen,
Und tausend Menschen gehn an mir vorüber.
Ich kenn sie nicht. Wer sind die Vielen? Tragen
Sie in der Brust ein Los wie meins? Und blutet
Ihr herz vielleicht, von mir so unvermutet,
Als ihnen fremd ist meines Herzens Schlagen?
Der Nebel tropft. Wir alle wandern, wandern.
Von dir zu mir erhellt kein Blitz die Tiefen.
Und wenn wir uns das Wort entgegenriefen -
Es stirbt im Wind und keiner weiss vom andern.
Eine Kutte trägt der Mönch,
Dazu eine Glatze,
Bei den Mädchen, bei den Fraun
Ist er nicht am Platze.
Einen Rock trägt der Student.
Wie er sich auch mühe,
Bei den Mädchen, bei den Fraun
Ist´s für ihn zu frühe.
Und ein Wams trägt der Husar,
Tut er´s auch nicht gerne,
Von den Mädchen, von den Fraun
Muß er zur Kaserne.
Einen Schafpelz trägt der Hirt.
Der ist zu beneiden -
Lebt bei Mädchen und bei Fraun
Herrlich und in Freuden. |