Zeitgenossen

Otto Julius Bierbaum



Interpretation von
"Prinz Kukuck"
Maximilian Baumann,
GK-Deutsch '99

Leseproben
Traum durch die Dämmerung
Faunsflötenlied
Pans Fluch
Brettl-Lieder
Zusammenhang mit Dehmel

Kurzbiographie als "Steckbrief", 1900 von Otto Julius Bierbaum unter dem Pseudonym Martin Möbius veröffentlicht:

Otto Julius Bierbaum

Dieser deutsche Dichter ist ein Kloß: zugleich derb und quatschig, aber immer unverdaulich.
Indessen: ein Kloß mit Seele und in Pflaumenmussauce. Es giebt Geschmäcker, die auch das goutieren, und schließlich, wer die heutige Literatur überhaupt verträgt, dessen Magen ist knödelfest.
In Klößen pflegt mancherlei zu sein. Zuerst und vor Allem: Mehl. Bei Bierbaum ist das die Lyrik. Sie ist zuweilen klitschig. Dann Semmelbrocken: der Humor. Er ist etwas trocken. Dann allerhand Fleischreste: die deutsche Gesinnung. Nicht immer ganz frisch. Und schließlich ein paar Körnchen Gewürz: sozusagen Geist. Na... Paprika ist es nicht.
Dieser Kloß ist im Ganzen unter die harmlosren Gerichte der deutschen Literaturgarküche zu rechnen, und schließlich: er stopft wenigstens.
Gefährlich wird er, wenn er kritisch wird. Wehe, wenn er sich über die belles lettres wälzt, einen Streifen von Pflaumenmussauce hinter sich herziehend!
Mit besonderer Vorliebe bethätigt er sich ornamental. Er hat dafür das kloßige Wort Buchschmuck erfunden, und diese gräuliche Influenza der Bücherbeklexung mit Kloßmotiven ist in der Hauptsache von ihm eingeschleppt.
Die größte Merkwürdigkeit an B. ist, daß er der einzige Kloß ist, der lebendige Junge zur Welt bringt: sie nennen sich Zeitschriften, und es sind solche von Plakatumfang darunter. Man kolportiert das Gerücht, daß er sich mit der Schaffung einer Monatsschrift in Form von auswechselbaren Litfaßsäulen beschäftigt.

Bierbaum schreibt als Herausgeber der Insel, I.,3. Quartal 1900, eine Kritik an den "Steckbriefen", um die Autorenschaft zu verdecken. Als neue Gattung des satirischen Schrifttums sieht er dort die Karikatur, die er von der Parodie abgrenzt. Sie ziele aufs Ganze, "daher wird die litterarische Karikatur impetuoser und für den Angegriffenen unangenehmer sein, als die Parodie. Für das Publikum eben darum aber wahrscheinlich pikanter, denn es wird ihr etwas Skandalhaftes anhaften, und wir wissen, daß das Publikum selbst seinen Lieblingen gegenüber dem nicht abgeneigt ist". Verdeckte Selbstkritik übend, geht er auf die Schwächen des Buches ein: "Die Fehler des Buches im ganzen liegen darin, daß die Aufsätze unter sich wesentlich ungleich sind. Es gibt unter ihnen wirkliche und gute Karikaturen, d.h. mit wenigen sicheren Strichen grotesk gezeichnete Charakteristiken, es sind aber auch Aufsätze darunter, die kaum etwas anderes vorstellen, als die schlechte Meinung, die der Verfasser von einzelnen modernen Dichtern hat. In diesen Fällen hat ihn seine Abneigung daran gehindert, Künstler zu sein, er ist Kritiker geblieben..... Pauls Zeichnungen sind zum Teil Karikaturen ersten Ranges, zum Teil aber gerdezu Porträts, die mehr nach der Seite der Schmeichelei neigen."


Maximilian Baumann,
GK Deutsch / IV. Sem.
Interpretation zu Otto Julius Bierbaums "Prinz Kuckuck"
Der Roman "Prinz Kuckuck" ist vor allem im Hinblick auf die Zeit, in der er spielt, sehr gelungen. Otto Julius Bierbaum durchleuchtet die Wilhelmsche Ära und ihre Eigenarten auf teilweise höchst satirische Art.
Die Hauptfigur Henry Felix Hauert führt ein etappenreiches Leben, findet sich aber niemals selbst, sondern stürzt vielmehr von einem Unglück ins nächste. Schuld daran ist vor allem die Erziehung seines Adoptivvaters Herrn Hauert. Dieser versucht, ihn auf das Leben eines hohen Herrn gebührend vorzubereiten, bringt ihm Stolz, Würde und die adligen Beschäftigungen wie z. B. das Reiten bei und führt ihm immer wieder vor Augen, welche Macht ihm sein Geld und Reichtum geben werden. Außerdem bringt er Henry Manieren bei und versucht, ihn darauf vorzubereiten, ein freier Herr zu werden, so daß Henry, nach seines Vaters Hoffnung, einmal ein schönes Leben führen und gute Dinge in Gang setzen könnte. Auch Hernes Mutter Sara hofft, daß aus ihrem Sohn ein freier, würdevoller Geist wird, der unbelastet durch die Unwissenheit über seine Herkunft heranwachsen kann.
Doch Herr Hauert vergißt, Henry Gefühle zu lehren. Er vermittelt seinem Sohn keine Moral, keinen Sinn für Freundlichkeit oder Nachgiebigkeit, ganz zu schweigen von Bescheidenheit und Verständnis. Henry wird arrogant und eingebildet und entwickelt sich wie ein verzogenes Kind. Er ist herrisch, wird schnell aggressiv und glaubt, die Weisheit gepachtet zu haben. Freundlich benimmt er sich nur seinem Vater und später den Personen gegenüber, die er entweder aufgrund ihrer Herkunft respektiert oder die ihm aufgrund ihres Einflusses von Nutzen sein können.
Seine Eitelkeit führt dazu, daß er selbst in den wenigen Momenten seines Lebens, in denen er die Chance hat, aus seiner Misere herauszukommen und wirklich etwas zu erreichen, den Wert der Situation oder die Gutmütigkeit seiner Mitmenschen verkennt. Henry will immer nur gewinnen, doch bleibt, weil er schlecht und gut nicht wirklich voneinander unterscheiden kann, der ewige Verlierer. Ständig paßt er sich an Personen an, folgt Wort für Wort ihren Empfehlungen und macht dann einen Rückzieher, wenn es unbequem wird oder Probleme auftauchen. Dieses ständige Hin und Her ist auch das eigentlich Amüsante am Buch "Prinz Kuckuck". Es macht das Buch spannend und allmählich fängt der Leser an, den Hauptcharacter Henry, eben aufgrund seiner unglücklichen Erziehung und den daraus resultierenden Fehlern, zu mögen.
Wenn das Buch eine Botschaft hat, so sieht sie in etwa wie folgt aus: Nur wer eine Moral, Wertevorstellungen und Freude am Leben an sich hat, auch wenn er manchmal stolpert, kann das Glück erreichen. Wer hingegen immer nur strahlen und gut aussehen will, es aber nicht ist, wird eines Tages feststellen, daß die Seifenblase platzt und er nicht alle, sondern nichts ist.

Leseproben

Bierbaum, Gedichte,
München 1923
Georg Müller Verlag


Traum durch die Dämmerung

Weite Wiesen im Dämmergrau;
Die Sonne verglomm, die Sterne ziehn;
nun geh ich zu der schönsten Frau,
weit über Wiesen im Dämergrau,
Tief in den Busch von Jasmin,

Durch Dämmergrau in der Liebe Land;
Ich gehe nicht schnell, ich eile nicht;
Mich zieht ein weiches, samtenes Band
durch Dämmergrauin der Liebe Land,
In ein blaues, mildes Licht.


Faunsflötenlied

Ich glaube an den großen Pan,
Den heiter heiligen Werdegeidt;
Sein Herzschlag ist der Weltentakt,
In dem die Sonnenfülle kreist.

Es wird und strirbt und wird,
Kein Ende und kein Anbeginn.
Sing, Flöte, dein Gebet der Lust!
Das ist des Lebend heiliger Sinn.


Pans Flucht

Grün umbuscht und bunt umblüht,
Mittagssonnenüberglüht,
Inselheckensicher sitzt
Pan und schnitzt.

Schnitzt aus Fliederholze sich
Eine Flöte meisterlich;
Und er setzt sie an den Bart
Fliederzart.

Zierlich, sacht,
Und er lacht:
Blas ich damit auf dem See
In der Nacht,
Wird den wackern Dichtern weh
In der Nacht.

Blas ich damit süß am Tage,
Ach !
Weck ich ihnen Dichterklage,
Ach !

Wehe, weh mir armem Pan,
Was ich tu, ist mißgetan,
Denn, dieweil ich schlief, indessen
Haben sie es ganz vergessen,
Wie sichßs lacht.

Leise flötet er. Das Klingt,
Wie wenn zwischen frischem Moose
Über Kiesel, glatte große,
Eine helle Quelle springt.
Wie des blauen Flieders Duft
Schwebt dies Tönen durch die Luft,
Voll und lind.

Und die Flöte hört ein Kind,
Das im Busche Blumen brach.
Und es geht dem Klange nach,
Herzgeschwind.

Dachte hier sich ganz allein,
Und nun flötet einer.
Wer mag dieser Flöter sein?
So wie der kann´s keiner,
Keiner, den sie je gehört;
Ach, sie ist ganz tonbetört,
Und ihr Herz schlägt schnelle.
Sicher gar ein schöner Mann
Ist, der also flöten kann,
Und ein junger Geselle.

Und sie schürzt sich hoch den Rock,
Folgt dem Klange immerzu,
Busch durch über Stein und Stock,
Nein doch, hu!:
Der da flötet, ist ein Bock!

Himmel, ach, wie sieht der aus!
Braune Haare, dick und kraus,
Um und um;
Und die Nase und die Beine,
Die sind krumm!
Hat ein Wackelschwänzchen gar
Und zwei Hörner, winderbar!
Aber Kleider keine.

Und sie lacht und lacht, bis ihr Tränen rinnen.

Pan ist aus dem Lied erwacht,
Und er flieht von hinnen.
Flieht in tiefste Einsamkeit,
Menschensicher, menschenweit.

 

 


Brettl-Lieder
Vertont: Oscar Strauss 1901
Ede Petermann aus Rixdorf
singt in der Verbannung

Ick heeße Ede Petermann!
In Rixdorf kennt mir jedermann
In Kulickes Destille.
Hier rees ick man inkognito,
Als Meyer, Lehmann oder so,
Denn Namens jibt es ville.

Warum? Det jeht Sie jar nischt an!
Halt´s Maul, sagt Ede Petermann,
Nu sin Se, bitte, stille!
Sonst werde ick am Ende roh,
Wie dazumal im Falle wo,
In Kulickes Destille.

Der wunderbare Nutten-Franz,
Der is seitdem nich mehr janz janz;
Det kommt von´t ville reden.
Bloß schade, det ick fortjemußt!
O Rixdorf, meine Mutterbrust,
Wat machste ohne Eden?

Im zweeten Jarderejiment
Hab ick´n Unteroff´zier jekennt.
Ick sage bloß: Noblesse!
Denn ieberhaupt: Ick bin ´n Aas,
Und wer mir Jauche jießt in´t Jlas.
Den hau ick in die Fresse.

Det kommt von meinem Handgelenk,
Ick hab et so in der Lamenk.
Sonst bin ick sanft wie Sahne.
Jott! - Riek! Schonsten wird mir schwach.
Bloß: Keene Zicken! Sonst jibt´s Krach!
Denn hau ´ck ins Porzellane!

Das Lied des verlassenen Lehmann
Ich hab ein schönes Mädchen
Gehabt;
Das hat mich mit viel Liebe
gelabt.
Ach Gott, wie war sie niedlich,
O Gott, wie war sie nett!
Ich kaufte ihr aus Rosenholz
ein Himmelbett.

Ich kaufte ihr auch Kleider
Und Schuh;
Die Unterröckchen machten
Frou-frou.
Sie war beim Himmel, sauber
Und reizend anzusehn,
Es konnte mit ihr jeder Prinz
Zu Tanze gehn.

Da machte mich die Liebe
Verdreht;
Ich ging mit ihr zum Pfarrer,
O bète!
Sie hat mir´s nie verziehen,
Daß ich sie so verkannt:
Ist mit dem ersten besten Kerl
davongerannt.

Das ist doch niederträchtig,
Nicht wahr?
Ich raufe mir den Bart und
Das Haar.
Die Röckchen, Höschen, Schuhchen
Und auch das Himmelbett
Hat nun der miserable Schuft,
O Schwerebrett!
Und alles das von wegen
Dem Ring,
Den sie von mir beim Pfarrer
Empfing.
Oh, welch ein großer Esel
War ich und Pavian!
Die Legitimität hatmir
das angetan.

Und darf ich sie denn schelten?
O nein.
Es mußte ganz natürlich
So sein.
Sie hatte für die Ehe
Nun einaml kein Talent;
Das Varieté der Liebe war
Ihr Element.

Mag sue zum Teufel tanzen,
Ade!
Mir tun davon die Beine
Nicht weh.
Ich sitze im Parkette
Vergnügt voll Spannung da:
Sie hat den fünften Partner schon -
Hallelujah!



Lied des sächsischen Schustergesellen

Meine liebe Laure
sagte heit zu mir:
Komm doch heite Abend
Auf ä Schlicckchen Bier;
Und ä Sticke Schwartenmagen
Wirschte auch wohl nich abschlagen."
Meine liebe Laura:
Das versprech ich dir!

Meine liebe Laura,
Die is scheen gebaut.
Mißt ich nich verreesen,
Wär´se meine Braut.
Ieberallrum is se dicke,
Weeßterhole ä festes Sticke!
Meine liebe Laura,
Die is scheen gebaut,

Meine liebe Laura
liebt mich mit Gefiehl.
Meiner Mutter ihr Junge
Bleibt dann auch nicht kiehl.
Solche Määchen sollen leben,
Die uns was zum Besten geben!
Meine liebe Laura
Liebt mich mit Gefiehl.

Meine liebe Laura,
Sei doch nicht so dumm!
Dadrauf kannste Gift nähm,
Daß ich wieder kumm.
Schusterpech tut ewig kleben,
Schustertreie gilt fors Leben!
Meine liebe Laura,
Sei doch nich so dumm!

Münchner Studentenlied

Ein Geschpusi muß ich haben!
Alles wankt, doch das steht fest:
So ein liebes, kleines Mädchen,
Das sich gerne haben läßt.
Ein Geschpusi muß ich haben!

Denn ich bin nun so geschaffen,
Daß ich Mädchen lieben muß;
Nulla dies sine linea
Heißt: Kein Tag sei ohne Kuß;
Denn ich bin nun so geschaffen.

Ach, so was im Arm zu haben,
Mund an Mund und Brust an Brust,
Dafür laß ich alle Alten,
Cäsar, Cicero, Sallust ...
Ach, so was im Arm zu haben!

Zwar ich habe nur ein Zimmer,
Und das Zimmer ist sehr klein,
Doch es können darin zweie
Ganz unbändig glücklich sein,
In dem einen kleinen Zimmer.

Also komm und laß nicht warten!
Auf dem Tisch steht schon ein Strauß,
Und das kahle, kleine Zimmer
Sieht heut ganz verwegen aus.
Also komm und laß nicht warten!


Zusammenhang
mit Dehmel
Studentenbeichten
Neuer Widmungsbrief an Richard Dehmel

Ausgabe:
Otto Julius Bierbaum
Studenten-Beichten.
Erste Reihe, 13. bis 14. Auflage,
Berlin und Leipzig
Im Verlage von
Schuster&Löffler, o.J.
(vermutlich 1905).

 

Als Motto wird dem Büchlein der folgenden Seiten ein Dehmel-Zitat vorangestellt:

Trumpf
Viel geliebt, noch mehr getrunken,
manchmal fast im Strom versunken,
heida, wie der Schläger pfiff!
Soll das Leben dir was nützen!
lerne auch dein Blut verspritzen:
Nicht gezuckt

Mein lieber Richard! Was soll man tun, wenn ein "Jugendwerk" vergriffen ist? Du hast die Antwort darauf nach Deiner Weise gegeben, indem Du Deine "Erlösungen", unerschrocken gewissenhaft wie du bist, einfach umgegossen, in eine neue Form gebracht hast. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Fleiß und Tugend und mache es anders. Ich gebe, wie du siehst, die erste Reihe der Stundentenbeichten, Deine Reihe, einfach wieder so heraus, wie sie schon damals "auf der Öd im Fasching1893" aussah, als ich sie Dir zu Füßen legte. Nur, daß ich das nicht recht in den Rahmen passende Verststück Klassischer Spuk weglasse.
Es gibt noch eine Art, mit vergriffenen Jugendwerken umzugehen: Daß man es mit dem gsanzen Werke so macht, wie ich hier mit dem kleinen Stücke. Das war auch eigentlich meine Absicht. Wenn man, wie ich, mitten in allerhand neuen Plänen steckt und übertdies, wie ich es von mir glaube, einige Fortschritte in der Erkenntnis dessen gemacht hat, was not tut, so sieht manes nicht gerne, daß "Jugendwerke" neu aufstehen. "Jugendwerke"... Bin ich denn mittlerweile, seit diesen sieben Jahren, so alt geworden? Ich will´s nicht hoffen. Und doch.... Unter uns gesagt>: Man wird heutzutage merkwürdig schnell alt, oder man fühlt sich wenigstens so, wenn man seine ersten Bücher durchsieht. Das kommt wohl daher, daß wir damals alle so ausbündig jung gewesen sind, so jung, wie sich die heutigen Jungen gar nicht vorstellen können. Sind sie darum zu beneiden? Wenn die Reife, mit der sie sioh präsentieren, echt und nicht bloß ein gut gewählter Anschein ist, so will ich sie gerne weiter deswegen bewundern; wir sind dannfür sie mit jung gewesen und haben doppelten Anspruch auf gelindere Beurteilung unsrer vielen Jugendstreiche, denn sie kommen dann auf doppeltes Konto.
Wenn ich diese Greschichten, die mir jetzt wirklich als Jugendstreich erscheinen und an denen mir nicht wenig mißfällt, noch mehrmals undin unveränderter Gestalt erscheinen lasse, so zeigt das deutlich an,daß ich mich ihrer trotz allem nicht schäme. Sie umzuarbeiten, auf den Stand der Ansprüche zu bringen, die ich heute künstlerisch an mich stelle,m fehlt es mir sowohl an Zeit als an Stimming; sie der weiteren Öffentlichkeit zu entziehen, fühle ich zwar Neigung, aber kein Bedürfnis. Zwar wird denen, die, aus freundlichen oder anderen Gründen, nicht müde werden, mich als ewigen Studenten zu proklamieren, dadurch Vorschub geleistet, aber das bleibt sich schließlich gleich. Auch steckt amende ein Stück Wahrheit in dieser Bezeichnung, denn in der Tat: ich fühle, wie nicht wenige Deutsche, etwas vom ewigen Studenten in mir. Zwar bin ich unter die Abstinenzler gegengen und werde Dir künftig nicht mehr in Burgunder Bescheid tun, sondern in Mattonis Gießhübler; zwar bin ich allen Raufhändeln, und zwar denen mit der Feder nicht weniger, als denen mit dem Schläger, abhold geworden; und schließlich bin ich auch nicht mehr so hinter jedem Zopfband her wie dazumal, als ich zwar viele, aber noch nicht die Eine kannte, - aber: übermütig sein, die Welt für ein Karussell halten, alles Verhockte, Muffige, Heimtückische verachten, alles Schöne, Klare, Stolze lieben, und treu zu allem stehn, was mir freundschaftswert erscheint, - das kann ich immer noch.
Darum setze ich auch diesem Neudrucke wieder Deinen Namen voran und schreibe diesen Brief. Möge er Dich über einer neuen Arbeit finden.

Dein Otto Julius