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Kurzbiographie als "Steckbrief", 1900 von Otto Julius Bierbaum unter dem Pseudonym Martin Möbius veröffentlicht:
Otto Julius Bierbaum Bierbaum schreibt als Herausgeber der Insel, I.,3. Quartal 1900, eine Kritik an den "Steckbriefen", um die Autorenschaft zu verdecken. Als neue Gattung des satirischen Schrifttums sieht er dort die Karikatur, die er von der Parodie abgrenzt. Sie ziele aufs Ganze, "daher wird die litterarische Karikatur impetuoser und für den Angegriffenen unangenehmer sein, als die Parodie. Für das Publikum eben darum aber wahrscheinlich pikanter, denn es wird ihr etwas Skandalhaftes anhaften, und wir wissen, daß das Publikum selbst seinen Lieblingen gegenüber dem nicht abgeneigt ist". Verdeckte Selbstkritik übend, geht er auf die Schwächen des Buches ein: "Die Fehler des Buches im ganzen liegen darin, daß die Aufsätze unter sich wesentlich ungleich sind. Es gibt unter ihnen wirkliche und gute Karikaturen, d.h. mit wenigen sicheren Strichen grotesk gezeichnete Charakteristiken, es sind aber auch Aufsätze darunter, die kaum etwas anderes vorstellen, als die schlechte Meinung, die der Verfasser von einzelnen modernen Dichtern hat. In diesen Fällen hat ihn seine Abneigung daran gehindert, Künstler zu sein, er ist Kritiker geblieben..... Pauls Zeichnungen sind zum Teil Karikaturen ersten Ranges, zum Teil aber gerdezu Porträts, die mehr nach der Seite der Schmeichelei neigen." |
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Der Roman "Prinz Kuckuck" ist vor allem im Hinblick auf die Zeit, in der er spielt, sehr gelungen. Otto Julius Bierbaum durchleuchtet die Wilhelmsche Ära und ihre Eigenarten auf teilweise höchst satirische Art.
Die Hauptfigur Henry Felix Hauert führt ein etappenreiches Leben, findet sich aber niemals selbst, sondern stürzt vielmehr von einem Unglück ins nächste. Schuld daran ist vor allem die Erziehung seines Adoptivvaters Herrn Hauert. Dieser versucht, ihn auf das Leben eines hohen Herrn gebührend vorzubereiten, bringt ihm Stolz, Würde und die adligen Beschäftigungen wie z. B. das Reiten bei und führt ihm immer wieder vor Augen, welche Macht ihm sein Geld und Reichtum geben werden. Außerdem bringt er Henry Manieren bei und versucht, ihn darauf vorzubereiten, ein freier Herr zu werden, so daß Henry, nach seines Vaters Hoffnung, einmal ein schönes Leben führen und gute Dinge in Gang setzen könnte. Auch Hernes Mutter Sara hofft, daß aus ihrem Sohn ein freier, würdevoller Geist wird, der unbelastet durch die Unwissenheit über seine Herkunft heranwachsen kann. Doch Herr Hauert vergißt, Henry Gefühle zu lehren. Er vermittelt seinem Sohn keine Moral, keinen Sinn für Freundlichkeit oder Nachgiebigkeit, ganz zu schweigen von Bescheidenheit und Verständnis. Henry wird arrogant und eingebildet und entwickelt sich wie ein verzogenes Kind. Er ist herrisch, wird schnell aggressiv und glaubt, die Weisheit gepachtet zu haben. Freundlich benimmt er sich nur seinem Vater und später den Personen gegenüber, die er entweder aufgrund ihrer Herkunft respektiert oder die ihm aufgrund ihres Einflusses von Nutzen sein können. Seine Eitelkeit führt dazu, daß er selbst in den wenigen Momenten seines Lebens, in denen er die Chance hat, aus seiner Misere herauszukommen und wirklich etwas zu erreichen, den Wert der Situation oder die Gutmütigkeit seiner Mitmenschen verkennt. Henry will immer nur gewinnen, doch bleibt, weil er schlecht und gut nicht wirklich voneinander unterscheiden kann, der ewige Verlierer. Ständig paßt er sich an Personen an, folgt Wort für Wort ihren Empfehlungen und macht dann einen Rückzieher, wenn es unbequem wird oder Probleme auftauchen. Dieses ständige Hin und Her ist auch das eigentlich Amüsante am Buch "Prinz Kuckuck". Es macht das Buch spannend und allmählich fängt der Leser an, den Hauptcharacter Henry, eben aufgrund seiner unglücklichen Erziehung und den daraus resultierenden Fehlern, zu mögen. Wenn das Buch eine Botschaft hat, so sieht sie in etwa wie folgt aus: Nur wer eine Moral, Wertevorstellungen und Freude am Leben an sich hat, auch wenn er manchmal stolpert, kann das Glück erreichen. Wer hingegen immer nur strahlen und gut aussehen will, es aber nicht ist, wird eines Tages feststellen, daß die Seifenblase platzt und er nicht alle, sondern nichts ist. |
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| Studentenbeichten Neuer Widmungsbrief an Richard Dehmel |
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![]() Ausgabe: Otto Julius Bierbaum Studenten-Beichten. Erste Reihe, 13. bis 14. Auflage, Berlin und Leipzig Im Verlage von Schuster&Löffler, o.J. (vermutlich 1905).
Als Motto wird dem Büchlein der folgenden Seiten ein Dehmel-Zitat vorangestellt: Trumpf |
Mein lieber Richard! Was soll man tun, wenn ein "Jugendwerk" vergriffen ist? Du hast die Antwort darauf nach Deiner Weise gegeben, indem Du Deine "Erlösungen", unerschrocken gewissenhaft wie du bist, einfach umgegossen, in eine neue Form gebracht hast. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Fleiß und Tugend und mache es anders. Ich gebe, wie du siehst, die erste Reihe der Stundentenbeichten, Deine Reihe, einfach wieder so heraus, wie sie schon damals "auf der Öd im Fasching1893" aussah, als ich sie Dir zu Füßen legte. Nur, daß ich das nicht recht in den Rahmen passende Verststück Klassischer Spuk weglasse. Es gibt noch eine Art, mit vergriffenen Jugendwerken umzugehen: Daß man es mit dem gsanzen Werke so macht, wie ich hier mit dem kleinen Stücke. Das war auch eigentlich meine Absicht. Wenn man, wie ich, mitten in allerhand neuen Plänen steckt und übertdies, wie ich es von mir glaube, einige Fortschritte in der Erkenntnis dessen gemacht hat, was not tut, so sieht manes nicht gerne, daß "Jugendwerke" neu aufstehen. "Jugendwerke"... Bin ich denn mittlerweile, seit diesen sieben Jahren, so alt geworden? Ich will´s nicht hoffen. Und doch.... Unter uns gesagt>: Man wird heutzutage merkwürdig schnell alt, oder man fühlt sich wenigstens so, wenn man seine ersten Bücher durchsieht. Das kommt wohl daher, daß wir damals alle so ausbündig jung gewesen sind, so jung, wie sich die heutigen Jungen gar nicht vorstellen können. Sind sie darum zu beneiden? Wenn die Reife, mit der sie sioh präsentieren, echt und nicht bloß ein gut gewählter Anschein ist, so will ich sie gerne weiter deswegen bewundern; wir sind dannfür sie mit jung gewesen und haben doppelten Anspruch auf gelindere Beurteilung unsrer vielen Jugendstreiche, denn sie kommen dann auf doppeltes Konto. Wenn ich diese Greschichten, die mir jetzt wirklich als Jugendstreich erscheinen und an denen mir nicht wenig mißfällt, noch mehrmals undin unveränderter Gestalt erscheinen lasse, so zeigt das deutlich an,daß ich mich ihrer trotz allem nicht schäme. Sie umzuarbeiten, auf den Stand der Ansprüche zu bringen, die ich heute künstlerisch an mich stelle,m fehlt es mir sowohl an Zeit als an Stimming; sie der weiteren Öffentlichkeit zu entziehen, fühle ich zwar Neigung, aber kein Bedürfnis. Zwar wird denen, die, aus freundlichen oder anderen Gründen, nicht müde werden, mich als ewigen Studenten zu proklamieren, dadurch Vorschub geleistet, aber das bleibt sich schließlich gleich. Auch steckt amende ein Stück Wahrheit in dieser Bezeichnung, denn in der Tat: ich fühle, wie nicht wenige Deutsche, etwas vom ewigen Studenten in mir. Zwar bin ich unter die Abstinenzler gegengen und werde Dir künftig nicht mehr in Burgunder Bescheid tun, sondern in Mattonis Gießhübler; zwar bin ich allen Raufhändeln, und zwar denen mit der Feder nicht weniger, als denen mit dem Schläger, abhold geworden; und schließlich bin ich auch nicht mehr so hinter jedem Zopfband her wie dazumal, als ich zwar viele, aber noch nicht die Eine kannte, - aber: übermütig sein, die Welt für ein Karussell halten, alles Verhockte, Muffige, Heimtückische verachten, alles Schöne, Klare, Stolze lieben, und treu zu allem stehn, was mir freundschaftswert erscheint, - das kann ich immer noch. Darum setze ich auch diesem Neudrucke wieder Deinen Namen voran und schreibe diesen Brief. Möge er Dich über einer neuen Arbeit finden. Dein Otto Julius |
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