Entwurf: mögliche Ankündigung
Dagloni gleia glühlala - zum Zechen ins Schwarze Ferkel (oder: Trinkaus im.../ Trinkrunden im..).
Fin de Siècle in Berlin: Regelmäßig trifft sich in einem Berliner Weinhaus an der Ecke Unter den Linden-Neue Wilhelmstraße eine illustre Trinkrunde. Die Berliner Schriftsteller aus der Friedrichshagener Bohème - Bölsche, Wille, die Brüder Hart, Arno Holz, Hauptmann, Hille - treffen hier auf die jungen Leute um den Polen Przybyszewski (sprich: Pschübischewski!) und die große Gruppe skandinavischer Stammgäste, meist Maler und Schriftsteller, die oft von Schwärmen Neugieriger umgeben ist, wenn Edvard Munch gerade durch eine neue Ausstellung provoziert, der reizbare August Strindberg in die Luft geht oder die schöne Norwegerin Dagny Juel die Männer mordet. Neben Przybyszewski ist Richard Dehmel, keiner der beiden großen Gruppen der Berliner Bohème direkt angehörend, aber zwischen beiden vermittelnd, der Star im Schwarzen Ferkel, wie das Weinlokal von seinen Gästen genannt wird.
Drei Deutsch-Leistungskurse lassen diese Szenerie der Jahrhundertwende in einer Zusammenstellung realer Texte und fiktiver Dialoge wieder aufleben : Was wurde im Schwarzen Ferkel geredet, gedichtet, gestottert, gesungen und gelallt? Wer schaute sonst noch vorbei, was will Fontane von Kerr, Walther Rathenau von Else Lasker-Schüler, was erzählt Liliencron aus Hamburg ?
Schnell änderten sich damals wie heute die Kneipen-Szenen, erst recht in einer Boom-Stadt wie Berlin. Deshalb lassen wir einem ersten Abend im Dezember 1892 einen zweiten 1898 folgen: Wir finden nicht mehr alle Stamm-Gäste wieder, in den Diskussionen werden neue Thesen vertreten, neue Gäste sind hinzugekommen, viele auch aus Wien, aus München, aus Paris. Gleich geblieben ist wie eh und je im Schwarzen Ferkel "das eigentliche Ziel des Abends: Alkoholgenuß"(Bab).
Noch eine Stunde, dann ist Nacht;
trinkt, bis die Seele überläuft,
Wein her, trinkt!
Seht doch, wie rot die Sonne lacht, die dort in ihrem Blut ersäuft;
Glas hoch, singt !
Singt mir das Lied vom Tode und vom Leben,
dagloni gleia glühlala.
aus der Zeitschrift "Pan" (1895), Richard Dehmel, Trinklied.

Der Schwarze-Ferkel-Abend findet zuerst vor geladenen Gästen im Dehmel-Haus in Blankenese statt, das nur ein begrenztes Fassungsvermögen hat; im Frühjahr 99 (etwa im März) wird zum zweiten Mal im literarischen Café des Christianeums gezecht. Der genaue Termin wird bekannntgegeben.