Richard Dehmel

Einleitung zur Matinée
von Matthias Wegner


Richard Dehmel gehörte einmal zu den bekanntesten und berühmtesten Dichtern in Deutschland. Manchen seiner Zeitgenossen schien er gar als eine Wiedergeburt Goethes. Heute führt Richard Dehmel in der Literaturgeschichte eher ein Schattendasein. Doch das Interesse an seinem Werk und seiner Person beginnt wieder zu wachsen. (Dehmel gehörte zu den wichtigsten literarischen Protagonisten einer Jahrhundertwende, die ihre Parallelen auch zu der unsrigen hatte.)

In den HAMBURGER KAMMERSPIELEN hat Matthias Wegner (im Rahmen der von ihm betreuten Reihe "Dichter in Hamburg") am 9. Mai 1999 mit einer Veranstaltung auch an Richard Dehmel erinnert. Dietmar Mues las ausgewählte Texte, Miriam Scharoni sang berühmte Dehmel-Lieder, sie wurde von Johanna Wiedenbach am Flügel begleitet. Matthias Wegner kommentierte Dehmels Leben und Wirkung.

Die zahlreichen Vertonungen von Dehmel-Texten, von denen Miriam Scharoni einige der schönsten sang, sind fester Bestandteil der internationalen Konzertprogramme. Dietmar Mues stellte auch unter Beweis, daß Dehmels Texte in besonderm Maße den rhetorisch-dynamischen Vortrag verlangen. Auch der Dichter selbst hat überall in Deutschland mit viel gerühmter Rezitationskunst seine Gedichte vorgelesen. Manche von ihnen erschließen sich beim Hören noch besser als beim Lesen. Das Hamburger Publikum jedenfalls, erstaunt über die Wiederentdeckung eines vergessenen und noch immer lesenswerten Dichters, quittierte das Programm mit großem (Zwischen-)Beifall. Nicht nur Gedichte, auch Auszüge aus Tagebuchaufzeichnungen und Briefen ließen die spannende, alles andere als konventionelle Persönlichkeit Richard Dehmels noch einmal lebendig werden.

Matthias Wegner, Autor verschiedener Bücher (u. a. "Klabund und Carola Nehr - eine Geschichte von Liebe und Tod", "Hanseaten - von stolzen Bürgern und schönen Legenden"), arbeitet derzeit an einer erzählenden Biografie Ida Dehmels, die im Jahr 2001 im Claassen Verlag, München, erscheinen soll.