Richard Dehmel

Eindrücke von Schüler zur Matinée


Julia Gutjahr
Zuerst war ich doch ein bisschen skeptisch, ob diese Vorstellung auch interessant werden könnte, wenn da zwei betagte Herren Gedichte eines Dichters, den ich nicht kannte, vorlesen würden.
Die Gedichte von Richard Dehmel gefielen mir sehr gut, da er eine besondere Art hat, auf lebensfrohe Weise sarkastisch zu sein. Der Herr (Dietmar Mues), der dies vorgetragen hat, verstand es, diese auch wirklich zu verkörpern, obwohl mir ein bisschen mulmig wurde bei dieser elementaren Kraft, die von ihm ausging. Besonders auch bei der erotischen Literatur Dehmels fühlte ich mich ein wenig unwohl. Der Rest des Publikums schien dies ähnlich zu sehen, denn dies waren die einzigen Stücke, bei denen nicht geklatscht wurde und zudem noch einige Damen in meiner Nähe tuschelten: "Also diese Stücke hätten sie nun wirklich nicht auswählen brauchen".
Dehmel scheint wirklich sehr intensiv seine Gefühle erlebt und ausgelebt zu haben. Er versucht, sich selbst als Menschen anzunehmen und zu seinen eigenen Gelüsten und Gefühlen zu stehen. Deutlich ist dies auch bei dem Wiegenlied für seinen Sohn geworden. Anfangs bemerkt der Hörer die Liebe, die er für diesen empfindet, doch das ist ja bei den meisten schnulzigen Wiegenliedern so. Im Laufe des Gedichts beschreibt er, wie trotz seiner Liebe Zorn über dieses nervige Gör aufsteigt. Dabei behält er jedoch immer seinen selbstironischen Erzählstil bei.
Gut fand ich auch, dass zu jedem Gedicht auch eine biographische Erklärung vorgetragen wurden (Matthias Wegner). Das half wesentlich zum Verstehen und Nachvollziehen seiner Gedichte, auch wenn Dehmel selbst dieses kritisierte.

Xenia Zunic '99, 10. Klasse


Schnell merkte man, dass Richard Dehmel ein für seine Zeit sehr freizügiger Dichter war. Seine Gedichte uinterscheiden sich in ihrer Art sehr von denen anderer Dichter. Deutlich erfährt man durch sie seine Einstellung zu Frauen, sein Liebesleben, seinen Gedanken. Er stellt alles äußerst unverblümt dar. Für einige, vor allem vielleicht für ältere Zuhörer waren die Freizügigkeiten dieser Gedichte sicherlich etwas zu peinlich. Die Gedichte wurden von dem Sprecher nicht nur vorgetragen, sondern auch verkörpert. Zwischendurch, was besonders gut war, wurden immer Berichte zu Richard Dehmels Leben vorgelesen, die dann oft mit den Gedichten verbunden wurden. Auch einige vertonte Gedichte wurden mit Klavier und Gesang vorgetsellt. Insgesamt hatte ich mir die Matinee eher langweilig vorgestellt, es stellte sich aber als anders heraus.

Julia Gutjahr '99, 10. Klasse